Preis der Leipziger Buchmesse 2011 in der Kategorie Übersetzung

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Barbara Conrad

nominiert für Lew Tolstoi: Krieg und Frieden

Aktualisierung 17.3.2011: Heute wurde Barbara Conrad mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2011 in der Kategorie Übersetzung ausgezeichnet. Der VdÜ gratuliert.

Barbara Conrad

2288, eine magische Zahl: so viele Seiten hat Barbara Conrads zweibändige Neuausgabe von Tolstois „Krieg und Frieden“! Gut, die Übersetzerin hat Nachwort und umfänglichen Anmerkungsapparat beigefügt – wie auch nicht bei einem Werk, das 200 Jahre von uns entfernt ist. Den Löwenanteil jedoch bildet der Roman, und der wirkt über die Hunderte von Seiten niemals lau, stets ist die Übersetzung so zupackend und kraftvoll, wie sie auch zu sein hat beim Monumentalwerk des Löwen Lew.

Barbara Conrads Anlauf dazu war lang. Erst Arbeit als Bibliothekarin (in einer „Volksbibliothek“, wie die Übersetzerin gern betont), dann Slawistikstudium in der Geburtsstadt Heidelberg, Assistentenzeit am dortigen Institut, seit 1982 freiberufliche Übersetzerin. Eine ganze Palette von Autoren: Politisches und Historisches (Bakunin, Trotzki, Dubnow), Gegenwartsliteratur (Gawrilow, Astafjew), Klassiker des 19. und 20. Jahrhunderts (Tolstoi, Tschechow, Pilnjak). Dazwischen Reminiszenzen an die Wissenschaft, Kommentare zu Ausgaben von Gogol, Dostojewski, Turgenjew und Tolstoi.

Wieviel Barbara Conrad „kann“, was für eine sprachmächtige und sorgfältige Übersetzerin sie ist, weiß ich seit den 80er Jahren, als wir uns mit Kollegen oft im EÜK trafen, um an einer Anthologie sibirischer Erzählungen zu arbeiten. Wer allerdings für Sammelwerke und unterschiedliche Bereiche übersetzt, hat es trotz aller Kunst schwer, als „Name“ öffentlich wahrgenommen zu werden.

Nun aber, unübersehbar: Barbara Conrad und ihr Meisterwerk, der grandiose deutsche „Krieg und Frieden“.

Rosemarie Tietze



Leseprobe:

Kaum dämmerte der Morgen, begann der Marsch. Der Train, die Artillerie zogen lautlos weiter, bis an die Naben, die Infanterie bis an die Knöchel im weichen, stickigen, heißen Staub, der sich in der Nacht nicht abgekühlt hatte. Zum Teil wurde dieser sandige Staub von den Füßen und Rädern festgedrückt, zum Teil wirbelte er hoch und stand als Wolke über dem Heer, verklebte Augen, Haare, Ohren, Nasen und vor allem die Lungen von Mensch und Tier, die sich auf dieser Straße voranbewegten. Je höher die Sonne stieg, desto höher stieg auch die Staubwolke, und durch diesen feinen, heißen Staub konnte man mit bloßem Auge in die Sonne blicken, wenn sie nicht von Wolken verdeckt war. Die Sonne sah aus wie ein großer purpurroter Ball. Kein Wind regte sich, und die Menschen bekamen kaum Luft in dieser reglosen Atmosphäre.

(Krieg und Frieden, München: Hanser Verlag 2010)



Как только рассветало, начиналось движение. Обозы, артиллерия беззвучно шли по ступицу, а пехота по щиколку в мягкой, душной, не остывшей за ночь, жаркой пыли. Одна часть этой песочной пыли месилась ногами и колесами, другая поднималась и стояла облаком над войском, влипая в глаза, в волоса, в уши, в ноздри и, главное, в легкие людям и животным, двигавшимся по этой дороге. Чем выше поднималось солнце, тем выше поднималось облако пыли, и сквозь эту тонкую, жаркую пыль на солнце, не закрытое облаками, можно было смотреть простым глазом. Солнце представлялось большим багровым шаром. Ветра не было, и люди задыхались в этой неподвижной атмосфере.

(Vojna i mir, Drittes Buch, Teil II, V)

 

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