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Ralph Dutli
nominiert für Fatrasien. Absurde Poesie des Mittelalters
Ralph Dutli wurde 1954 in Schaffhausen (Schweiz) geboren, studierte von 1974 bis 1980 in Zürich und an der Pariser Sorbonne Romanistik und Russistik und promovierte 1984 zum Dr. phil. Von 1982 bis 1994 lebte er in Paris, anschließend als freier Autor in Heidelberg.
Dutli ist Lyriker, Essayist, Biograph, Autor von Hörbüchern, Herausgeber und Übersetzer u. a. von Marina Zwetajewa, Joseph Brodsky und Ossip Mandelstam. Zwischen 1985 und 2000 hat er die zehnbändige Werkausgabe von Ossip Mandelstam zusammengestellt und übersetzt. Zur Zeit schreibt er seinen ersten Roman.
Mit den Fatrasien hat Ralph Dutli ein bisher in Deutschland unbekanntes Feuerwerk der absurden Dichtung aus dem Mittelalter ausgegraben und "kongenial übersetzt" (Martin Ebel, Tages-Anzeiger) Die anonymen Dichtungen aus der nordfranzösischen Stadt Arras sind nur in einer einzigen Handschrift des 13. Jahrhunderts aufbewahrt worden. Nach mehr als siebenhundert Jahren wurden sie sie nun erstmals ins Deutsche übersetzt. Ralph Dulti legt mit dieser Übersetzung eine bisher unbeachtete Wurzel der modernen Poesie frei.
"Dutli ist nicht nur ein begnadeter Übersetzer, sondern auch ein vorzüglicher Interpret der von ihm wiederentdeckten Fatrasien. Er bringt die Dinge zum Tanzen, lässt nicht nur den Esel fliegen, sondern auch die Kuh, gibt dem Affen Zucker und dem Pegasus die Sporen. Unsinn aus dem Hochmittelalter: Ralph Dutli und seine fatrasische Übersetzungskunst, aufregend und anregend!"
(Eberhard Reuss, SWR)
"Ralph Dutli hat in den Fatrasien den Unsinn im Mittelalter entdeckt, sachkundig kommentiert und in ein plastisches, gern auch derbes Deutsch gebracht. Eine phantastische, gleichwohl formal durchaus geordnete Welt, an der die Surrealisten ihre Freude gehabt hätten."
Die Jury (http://tinyurl.com/629l6y7)
Monika Meffert (Wallstein Verlag)
Leseprobe:
23
Der Furz einer Käsemade
wollte in seinem Käppchen
Rom davontragen.
Ein Ei aus Baumwolle
nahm den Schrei
eines Ehrenmannes beim Kinn.
Der Gedanke eines Spitzbuben
hätte ihn schließlich fast verprügelt,
als ein Apfelkern
ganz laut ausrief:
"Woher kommst du? Wohin geht’s? Welcome!"
Li pez d’un suiron
En son chapperon
Voloit porter Romme.
Uns oés de coton
Prist par le menton
Le cri d’un preudomme.
Ja le ferist en la somme
La pensee d’un larron,
Qant li pepins d’une pomme
C’est escriez a haut ton :
« Dont viens ? Ou vas ? Huillecomme ! »
(Fatrasien. Absurde Poesie des Mittelalters, Göttingen: Wallstein, 2010)
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