Preis der Leipziger Buchmesse 2010 in der Kategorie Übersetzung

Zurück zurück zur Übersicht der Nominierten

 

Christian Hansen

nominiert für Roberto Bolaño: 2666

Christian Hansen

Die Jury schreibt zur Begründung von Christian Hansens Nominierung, 2666 sei "Literatur aus einer anderen Welt: Roberto Bolaños posthum erschienenes, von der internationalen Kritik als Jahrhundertroman gefeiertes Hauptwerk ist eine Reise ins finstere Herz der modernen Welt. [...] Das literarische Vermächtnis des aus Chile stammenden und 2003 in Barcelona verstorbenen Bolaño ist ein Gangster- und Bildungsroman, Science-Fiction und Reportage. Die Übersetzung von Christian Hansen lässt auch uns nun die Größe des chilenischen Romanciers erkennen. In einem gewaltigen Kraftakt hat Hansen das Mammutwerk, seine suggestive und bildmächtige Sprache, die das Böse und das unterschwellige Grauen zum Ausdruck bringt, brillant ins Deutsche übertragen."

Christian Hansen, 1962 in Köln geboren, studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in Berlin und lernte das Übersetzerhandwerk als Übersetzer und zeitweiliger Redakteur bei der deutschsprachigen Ausgabe von Le Monde diplomatique. Wertvolle Erfahrungen sammelte er in der Berliner Übersetzerwerkstatt wie auch bei der gemeinsamen Arbeit mit Thomas Brovot an Übersetzungen von Juan Goytisolo und José Pablo Feinmann. Zu den von ihm übersetzten Autoren zählen neben Roberto Bolaño Julio Cortázar, Mario González Suárez, Vizconde Lascano Tegui, Alan Pauls, Sergio Pitol, Guillermo Rosales.

Nicht zuletzt ist Christian Hansen ein engagierter Vermittler übersetzter Literatur, ob er nun als Mitbegründer der Weltlesebühne Lesungen mit Übersetzenden organisiert oder selbst die Gelegenheit wahrnimmt, für Bolaño-Fans aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Luis Ruby


Leseprobe:

[...] denn niemand wusste besser als sie, dass der Nachruhm ein Vaudeville-Witz war, den nur die verstanden, die in der ersten Reihe saßen, und dann kamen sie auf Lapsus calami zu sprechen, auf eine vor geraumer Zeit in Paris erschienene Sammlung mit dem treffenden Titel Musée des erreurs sowie auf ein ähnliches Kompendium des Druckfehlerjägers Max Sengen. Und gesagt, getan holten die Lektorinnen ein Buch hervor (weder das französische Musée des erreurs, noch das Buch von Sengen), dessen Titel Archimboldi nicht erkennen konnte, und gaben daraus einige kultivierte Perlen zum Besten:
   "Arme Marie! Jedes Mal, wenn sie das Getrappel eines nahenden Pferdes hört, denkt sie, ich sei es." Chateaubriand, Vie de Rancé.
   "Die Besatzung des von den Wellen verschlungenen Schiffes bestand aus fünfundzwanzig Mann, die Hunderte zu bitterer Armut verurteilte Witwen hinterließen." Gaston Leroux, Chéri-Bibi. Les cages flottantes.

(2666, München: Hanser, 2009, S. 1023)

[...] pues nadie mejor que ellos sabía que la posterioridad era un chiste de vodevil que sólo escuchaban los que estaban sentados en primera fila, y luego se ponían a hablar de las lapsus calami, muchos de ellos recogidos en un libro publicado en París, de esto hacía ya mucho tiempo, titulado acertadamente Museo de errores, y otros seleccionados por Max Sengen, buscador de erratas. Y, del dicho al hecho, no tardaron mucho las correctoras en coger el libro (que no era el Museo de los errores francés ni el de Sengen), cuyo titulo Archimboldi no pudo ver, y se pusieron a leer en voz alta una selección de perlas cultivadas:
   «¡Pobre María! Cada vez que percibe el ruido de un caballo que se acerca, está segura de que soy yo.» El duque de Monbazon, Chateaubriand.
   «La tripulación del buque tragado por las olas estaba formada por veinticinco hombres, que dejaron centenares de viudas condenadas a la miseria.»
Dramas marítimos, Gaston Leroux.

(2666, Barcelona: Ed. Anagrama, S. 1055)

Zurück zurück zur Übersicht der Nominierten