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Terézia Mora
nominiert für Péter Esterházy: "Ein Produktionsroman (Zwei Produktionsromane)"
Terézia Mora ist ein Glücksfall für die ungarische Literatur im deutschen Sprachraum. Für Übersetzer ins Ungarische ist es fast sogar typisch, dass sie zugleich selbst auch Literatur schaffen und schreiben. Es gehört wohl zu den Privilegien einer „kleinen“ Sprache wie der ungarischen, dass hier in Personalunion lebt und gedeiht, was die „großen“ Sprachen arbeitsteilig zerreißen: das Übersetzen und das Erschaffen poetischer Sprache. Terézia Mora hat dieses Privileg der kleinen Sprache mit ihrer Emigration aus Ungarn in das große Berlin verschleppt. In erstaunlicher Produktivität schreibt sie ihre eigenen Bücher und scheut dennoch nicht zurück vor gewaltigen Aufgaben des Übersetzens, zu denen das Werk von Péter Esterházy ganz sicher gehört, denn er ist der Meister der Ausschweifung in der ungarischen Gegenwartsliteratur, was nicht nur für das Wuchern der Seiten gilt – das frisch übersetzte Buch Ein Produktionsroman (Zwei Produktionsromane) füllt deutsch immerhin 538 Seiten! -, das Wuchern gilt zudem für jeden einzelnen Satz, der bei Esterházy nie dort endet, wo sein Anfang hinzudeuten scheint.
Es handelt sich um den ersten großen Roman von Péter Esterházy, mit dem er 1979 den ungarischen Literaturbetrieb spielerisch in seinen Grundfesten zur Erschütterung brachte. Wo andere verkrampften und erstarrten, entfaltet Esterházy einen Tumult von Witz und Anspielung, von Ironie und Verspottung, von Zitat und Verdrehung. Hier erfand Esterházy seine bis heute tauglichen Instrumente seiner sprachbedrohlichen Sprache. In Terézia Mora hat er viel mehr als sein deutsches Sprachrohr gefunden, denn mit Rohren ist bei Esterházy wenig getan. Seine Sätze müssen Labyrinthe durchlaufen, bevor sie deutsch eine Chance bekommen, ähnlich irritierend zu sein wie die ungarischen Geschwister im Original. Mora baut diese Labyrinthe und stellt sie Esterházy zur Verfügung, und da ist es nur gut, dass Mora in ihren eigene Büchern in einer ganz anderen Sprache schreibt und denkt als Esterházy in seinen. Esterhazys Worte gehen mit Mora fremd und haben gerade deshalb eine Chance, im Deutschen ähnlich gravierend und lebendig zu befremden wie die ungarischen im Ungarischen. Mora war kaum auf der Welt, als Esterházy seinen Produktionsroman schrieb, auch das muss kein Nachteil sein. Jetzt hat sie ihm mit der nötigen Unbefangenheit eine neue Welt aus heutigen Worten gebaut.
Wilhelm Droste
Leseprobe:
Wenn, dann ist es Zufall.
I. (ODER KURZES) KAPITEL,
in welchem der Genosse Generaldirektor die Szene betritt, derweil sich seine Persönlichkeit gerade spaltet, wofür sich ein weites Feld auftut, eingedenk, dass er Drillinge ist, welche Tatsache nur auf den ersten, oberflächlichen Blick amüsant ist, doch die Zahl der unausweichlichen Hemden, Krawatten, Krawattennadeln, Pantalons, Siegelringe und der Erzählweisen deuten schon jene kompakte Traurigkeit an, welche hier dem Leser zukommt
Wir finden keine Worte. Wie versteinert sind wir. Erschrocken blinzeln wir: Sollten wir dermaßen unserer Lust-und-Laune ausgeliefert sein? Wir kriegen zu wenig Luft, dabei ist genug da. Uns zittert der Magen vor Erregung; dadurch entsteht der Eindruck: als ob uns die Hose zu weit wäre. Fast hätten wir zum Gürtel (Riemen) gegriffen. Wir heben den Rand des Sakkos an, versenken die Hände in den Hosentaschen, kramen. Wir stellen uns auf die Zehenspitzen, alsdann lassen wir uns auf die Fersen zurückfallen. Unser Kopf erbebt; das Kramen übernimmt jeden auffindbaren Rhythmus: den unseres Schaukelns, des Kopfes, des Herzens. Heißt das, wir können ab jetzt alles denken? Sollten wir unseren Verhältnissen dermaßen ausgeliefert sein?
(Ein Produktionsroman (Zwei Produktionsromane). Roman, Berlin: Berlin Verlag 2010)
Ha, akkor az véletlen.
I. (VAGY RÖVID) FEJEZET,
melyben
a vezérigazgató elvtárs toppan a színre, amint épp meghasonlik önmagával, amire bő tér kínálkozik, lévén ő egy hármasiker, mely tény csak felületes pillantásra mulatságos, ám az elkerülhetetlen ingek, nyakkendők, nyakkendőtűk, pantallók, pecsétgyűrűk és az elbeszélőmód száma már jelzi is a tömör szomorúságot, mely az Olvasóra háramol
Nem találunk szavakat. Meg vagyunk kövülve. Ijedten pislantunk: ennyire ki lennénk szolgáltatva kényünknek-kedvünknek? A levegő kevés, pedig van. Gyomrunk remeg a fölindultságtól; ettől úgy érezzük: nadrágunk bő. Már-már a szíj (öv) után nyúltunk. Zakónk szélét megemelve kezünket a zsebünkbe mélyesztjük, matatunk. Lábujjhegyre állunk, majd a sarkunkra ejtjük magunkat. Fejünk megrebben; a matatás fölvesz minden található ütemet: hintázásunkat , a fejét, a szivét. Mi már eztán bármit gongolhatunk? Ennyire ki lennénk szolgáltatva a viszonyainknak?
(Termelési-regény (kisssregény) – regény, Budapest: Magvető K. 1979, 4. Aufl. 2006, S. 5)
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