Deutscher Übersetzerfonds

Gründe, sich nicht – oder vielleicht doch? – um ein Stipendium zu bewerben


Wer sich beim Deutschen Übersetzerfonds um ein Stipendium bewirbt, weiß warum. Wer sich nicht bewirbt, hat dafür Gründe. Wir wollten sie wissen und haben Nichtbewerber gefragt. Hier die am häufigsten genannten Antworten – und ein paar Ermunterungen:

"Ich habe doch schon mal ein Stipendium bekommen."
Einer erneuten Bewerbung mit einem anderen Projekt steht nichts im Wege. Es ist vielmehr ein Zeichen von Professionalität. Jede gute Übersetzung braucht Zeit und also Geld.

"Ich bin schon mal abgelehnt worden."
Jede Übersetzung ist eine neue Herausforderung. Und die Konkurrenz der Bewerber ist mal so, mal anders. Eine zweite Bewerbung mit einer überarbeiteten Probe desselben Projekts ist ebenfalls möglich – vielleicht entwickelt sich die Übersetzung ja noch.

"Ich habe mich schon öfter beworben und nie etwas bekommen."
Vielleicht ein Anlaß, das Seminarangebot des Deutschen Übersetzerfonds oder anderer Institutionen (z. B. Literarisches Colloquium Berlin, textwerk München) zu studieren und zu nutzen? Und es wieder zu probieren.

"Ich habe nie ein Projekt, das zu den Ausschreibungsterminen paßt."
Womöglich läßt sich mit dem Lektorat ein späterer, für die Bewerbung passender Abgabetermin vereinbaren. Am besten die Termine schon bei Vertragsschluß im Auge behalten.

"Mein Projekt ist bloß Unterhaltungsliteratur."
Hauptkriterium ist die sprachlich überzeugende Gestaltung im Deutschen. Die "leichthändige" Übersetzung eines Unterhaltungsromans ist ein Ausweis übersetzerischer Qualität. Beurteilt wird nicht die Gestaltung des Originals, sondern die Kunst des Übersetzens.

"Ich übersetze ja nur Sachbuch."
Sachbücher, bei denen der Inhalt auch über Sprache transportiert wird, erfordern genauso eine anspruchsvolle sprachliche, literarische Gestaltung im Deutschen. Ihre gelungene Übersetzung ist genauso stipendienwürdig.

"Mein Autor ist nicht berühmt."
Beurteilt werden nicht die Autoren, sondern die Übersetzungen ihrer Werke. Die sprachliche Herausforderung ist bei kleinen Namen oftmals größer als bei großen.

"Ist das Bode-Stipendium nicht nur für Anfänger?"
Um ein Bode-Stipendium können sich auch erfahrene Übersetzer bewerben. Wer holte sich nicht gern einmal Rat, wenn ein besonders vertrackter Text oder eine ungewohnte Stilfärbung zu bewältigen ist?

Weitere Informationen zu Arbeitsstipendien, Reisestipendien, Aufenthaltsstipendien, Bode-Stipendien und Seminaren des Übersetzerfonds finden Sie unter www.uebersetzerfonds.de.


Thomas Brovot
Deutscher Übersetzerfonds