Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2003 an Dr. Regina
Peeters
Laudatio von Claus Sprick
Liebe Regina Peeters,
geschätzte Bibliothekarinnen und Bibliothekare,
meine sehr verehrte Damen und Herren!
Man hat mir schon mehrfach im Anschluß an Reden, die
ich gehalten habe, in aller Freundschaft nahegelegt, mir gefälligst
vorher zu überlegen, worüber ich zu sprechen gedenke,
das womöglich irgendwie zu gliedern und den Zuhörern
die thematischen Schwerpunkte vorab stichwortartig anzukündigen.
Dieser Bitte komme ich gern nach.
Ich möchte wie immer weit ausholen und die Evolution
vom Affen über den Menschen zur Bibliothekarin aufzeigen.
Ich werde darlegen, warum die Bretter, die die Welt bedeuten,
Regale heißen, und was das etymologisch mit Regina zu
tun hat. Bitte erlauben Sie mir auch, ganz persönliche
Erfahrungen einzuflechten, etwa wie ich Regina Peeters kennengelernt
habe oder wie eine Bibliothekarin beinahe zum Anlaß
meiner ersten Ehekrise geworden wäre. Und welche Krise
Karl Emmanuel Preusker vermutlich bekommen hätte, wenn
ihm zu Lebzeiten bekannt geworden wäre, nach welch unkonventionellen
Regeln diese Bibliothek im Europäischen Übersetzer-Kollegium
in Straelen funktioniert, die Regina da aufgebaut hat.
Ich bin allerdings nicht mehr dazu gekommen, das zu ordnen
und zu gliedern. Ihnen wird daher nichts anderes übrig
bleiben, als sich alles so anzuhören, wie es gerade kommt.
Sie dürfen aber hoffen, daß meine Laudatio sich
dem Ende zuneigt, sobald die genannten Themen abgehandelt
sind. Es sei denn, mir fällt während der Rede noch
was ein.
Dies ist übrigens meine erste Laudatio. Was eine Laudatio
ist, habe ich pflichtgemäß recherchiert, und zwar
aus Diskretion ganz eigenständig, statt wie sonst einfach
Regina zu fragen. Anders als der Küchenlateiner vermuten
könnte, ist eine laudatio also nichts, was man
geschenkt bekommt, sondern etwas, das man sich verdient haben
muß. Etymologisch kommt das von laus, das Lob. Und ich
gedenke, Regina viele läuse in den Pelz zu setzen. Verdientermaßen.
Und voller Verehrung, wie es sich einer regina -einer Königin-
gegenüber geziemt, wofür mir die Synonymwörterbücher
im Europäischen Übersetzer-Kollegium den Begriff
huldigen vorschlagen. Lassen sie mich also huldigst
loslegen.
Ich habe Regina 1981 in Straelen kennengelernt. Da war sie
noch in der Untersekunda, wie das damals hieß, und das
Europäische Übersetzer-Kollegium noch in der Gründungsphase.
Wir hatten eine unserer ersten öffentlichen Veranstaltungen,
bei der Regina sicherlich die jüngste Zuhörerin
war. Sie sprach mich in der Pause an, zeigte sich von der
Idee des Kollegiums begeistert und fragte, ob sie in ihrer
Freizeit stundenweise mithelfen könne, zum Beispiel,
um unsere damals noch sehr bescheidene Bibliothek zu ordnen.
Das nenne ich eine gezielte Jobsuche und zugleich den Beginn
einer wunderbaren Freundschaft. Wir haben Regina seitdem komplett
vereinnahmt, wenn man einmal von den drei Jahren absieht,
nach ihrem Abi 1984, in denen wir ihr gestatteten, mal kurz
an der Fachhochschule für Bibliotheks- und Dokumentationswesen
in Köln zu studieren, aber mit dem wechselseitigen Versprechen,
daß sie anschließend als Diplom-Bibliothekarin
zu uns zurückkommt.
Eine Bibliothekarin war für mich schon immer etwas Besonderes,
und Regina schon immer eine ganz besondere Bibliothekarin.
Nun erwarten einige von Ihnen gewiß, daß ich
jetzt auf meine Fast-Ehekrise zu sprechen komme. Den Gefallen
kann ich Ihnen tun. Ja, auch das war 1981. Aber ganz anders,
als zu vermuten ich Ihnen ohnehin verübeln würde.
Ich erzähle das auch nur, um ein weiteres Beispiel dafür
aufzuzeigen, welch wichtige Rolle Bibliothekarinnen im Leben
eines Menschen spielen können:
Meine Tochter Diana war damals gerade ins lesefähige
Alter gekommen, und ich nahm sie zum ersten Mal in die Stadtbücherei
in Essen mit. Sie suchte ein Buch mit richtigen Hexen
und Zauberern und so, und ich sagte ihr, sie solle doch
einfach mal die junge Dame an der Ausleihe fragen, das sei
die Bibliothekarin und die wisse da besser Bescheid
als ich. Diana ließ sich beraten und war mit ihrer Beute
-gleich zwei Gruselbüchern nach ihrem Geschmack- hochzufrieden.
Nur mit dem Begriff Bibliothekarin war sie wohl
etwas überfordert, denn beim Abendessen fragte sie: Papa,
gehst du morgen wieder die Karin besuchen? Da hatte
ich meiner Frau gegenüber einen gewissen Erläuterungsbedarf,
durfte dann aber die Karin doch wieder besuchen, um für
Diana Nachschub zu besorgen. Seitdem treibt sich auch dieses
Kind vorzugsweise in Büchereien herum.
Die Bibliothek, die Regina Peeters aufgebaut hat, dient indes
ganz anderen und sehr speziellen Bedürfnissen, setzt
aber gerade deswegen offenbar ebenfalls gewisse Grundkenntnisse
in Hexerei und Zauberei voraus, und das nicht nur, was ihre
Finanzierung betrifft. Einerseits soll sie idealerweise alle
Fachgebiete und Sprachen abdecken, also eine Universalbibliothek
sein. Zum anderen muß sie aber auf die spezifischen
Bedürfnisse literarischer Übersetzer ausgerichtet
sein, die häufig sehr punktuelle Auskünfte brauchen,
wie sie nur alternative und atypische Informationsquellen
bieten wie etwa Produktkataloge, Stadtpläne aus der Zeit,
in der der zu übersetzende Roman spielt, Trivia, die
herkömmliche Lexika als zu banal verschmähen, ältere
Enzyklopädien, die über den Wissensstand einer früheren
Epoche Aufschluß geben, aber auch ganz Aktuelles oder
regionale Details bis hin zu örtlichen Dialekten.
Selbst falsches Deutsch, das die puristisch-puritanische
Duden-Redaktion schamvoll zu verleugnen pflegt, wie etwa die
Wendung in Bälde, muß man dort nachschlagen
können. Ein vietnamesischer Germanist und Goethe-Übersetzer,
der irgendwo hocherfreut gelesen hat, daß eine Konkordanz
diesen Meisters Wortschatzes in Bälde verfügbar
sei, wäre deshalb gut beraten, nicht vergebens nach der
von ihm womöglich im Hochsauerland vermuteten Kleinstadt
Bälde zu suchen, sondern sogleich an den Niederrhein
nach Straelen zu kommen, um zu recherchieren, was es damit
auf sich hat.
Da will in Straelen zum Beispiel ein Flaubert-Übersetzer
wissen, wie man Mitte des 19. Jahrhunderts die Hemdhöschen
nannte, die junge Mädchen damals trugen und wird
von Regina sogleich auf einen Wäschekatalog eines Berliner
Textilhauses aus jener Zeit verwiesen, der wie selbstverständlich
im Regal mit der Aufschrift Einsprachig, Deutsch, Mode und
Textilien steht. Oder ein anderer will wissen, ob er ein noch
früher in Frankreich gebräuchliches mehrsitziges
Pferdefuhrwerk als Kremser übersetzen könnte,
und stellt dann bei der Suche nach einer Abbildung dieses
Gefährts fest, daß ein gewisser Herr Kremser, hier
in Berlin übrigens, die Zulassung für derartige
Droschken erst 1822 erhielt, so daß diese Übersetzung
bei einem französischen Roman aus dem Jahre 1805 nicht
nur regional nicht paßt, sondern auch ein peinlicher
Anachronismus wäre. Da heißt es dann, weiter in
Beschreibungen und Abbildungen von alten Kutschen zu stöbern.
Häufig geht es auch nur darum, adäquate Formulierungen
für Phänomene zu finden, für die die Sprache
des Originals problemlos Bezeichnungen bereithält, die
Zielsprache aber nicht. Eine Engländerin hat beispielsweise
keine Schwierigkeiten, to cross and uncross her legs. Kann
man im Deutschen seine Beine, oder, um einen typischen Anglizismus
zu vermeiden, die Beine entkreuzen? Oder muß man sie
martialisch wieder auseinanderschlagen? Da ist es hilfreich,
deutsche Übersetzungen englischer Texte daraufhin durchforsten
zu können, ob ein anderer Kollege bereits eine adäquate
Lösung gefunden hat.
Gerade im Bereich der Körpersprache tauchen
solche Fragen immer wieder auf. Gibt es dafür ein spezielles
Glossar? Leider nein, noch nicht. Aber auch Material für
ein solches Glossar mit Beispielen aus der Literatur zu sammeln
ist Aufgabe einer übersetzerspezifischen Bibliothek.
Und irgendwann wird es hoffentlich in Straelen ein Kompendium
geben, in dem man beispielsweise gezielt nachschlagen kann,
wie man im Deutschen mit den Armen rudert (womit sonst?),
oder was ein Mensch in deutscher Sprache alles mit den Daumen
oder mit der Zunge machen kann.
Wußten Sie übrigens, daß es genau diese
beiden letzten Fertigkeiten sind, die uns Menschen von den
Tieren unterscheiden, und -naja, graduell- Bibliothekare und
Bibliothekarinnen von uns anderen Sterblichen?
Denn nur wir Menschen haben den voll opponierbaren Daumen,
den wir abspreizen und rotieren lassen können, was uns
in die Lage versetzt, Däumchen zu drehen, Geld anzudeuten,
einen Hosenschlitz zu öffnen oder Gladiatoren in den
Tod zu schicken. Dagegen sehen selbst die anderen Primaten
evolutionsmäßig alt aus. Ein Affe kann zwar in
der Nase bohren, aber nur der homo sapiens sapiens ist in
der Lage, das, was er dort gefunden hat, seinem Nachbarn ans
Fell zu schnipsen.
Das zweite, was uns Menschen von den Tieren unterscheidet,
ist die Zungenfertigkeit, der wir die Sprache verdanken. Sie
wird nur noch übertroffen von der Fähigkeit, die
Zunge längs zu falten. Das beherrscht aber, genetisch
bedingt, nur ein kleinerer Teil der Menschheit, die sogenannten
Zungenroller, und es würde mich übrigens durchaus
nicht wundern, wenn Regina Peeters dazugehört. Die meisten
können nur dekorativ die Stirn in Falten legen, denn
die Sprache ist schon schwierig genug.
Aber auch die hat Regina Peeters zu beherrschen gelernt.
Und nicht nur eine. In Straelen stehen Nachschlagewerke und
andere Bücher in mehr als zweihundertsiebzig Sprachen
und Dialekten, und ich begreife bis heute nicht, wie sie das
alles auseinanderhalten kann, geschweige denn, wie sie es
schafft, Bücher, die von rechts nach links geschrieben
sind, von links nach rechts zu ordnen oder unseren Bestand
chinesischer und japanischer Bücher (nebenbei bemerkt:
wir haben inzwischen die zweitgrößte Sammlung japanischer
Nachschlagewerke in Deutschland) so zu katalogisieren und
zusammenzustellen, daß unsere asiatischen Gäste
sich keine Mühe zu geben brauchen, ihr Gesicht zu wahren
und nicht in ihr landestypisches Kichern auszubrechen.
Daß Bibliothekare und Bibliothekarinnen dem gewöhnlichen
homo sapiens evolutionsmäßig noch einen Schritt
voraus sind, habe ich auch an dem besonderen professionellen
Griff beobachten können, mit dem Regina den abspreizbaren
Daumen einsetzt, um ein Buch aus dem Regal zu holen. Unsereiner
legt den Zeigefinger oben auf den Schnitt und krallt sich
das eingeklemmte Buch dann schräg verkantet nach vorn
heraus. Kein Wunder, daß die Buchrücken oben immer
arg lädiert sind. Nicht so Regina. Sie nähert sich
dem gewünschten Buch mit entschlossen abgespreiztem Daumen
und Zeigefinger, mit denen sie den linken und rechten Nachbarband
etwas zurückstößt, um sodann in fließender
Bewegung den mittleren Band, der nun ein wenig heraussteht,
zangenartig zu greifen und einbandschonend herauszuziehen.
So souverän herrscht Regina auch im übrigen über
ihre Regale. Und wenn ich bereits darauf hingewiesen habe,
daß regina die Königin heißt,
sei mir auch der Hinweis darauf gestattet, daß ein Regal
laut Lexikon auch ein königliches Vorrecht ist und die
Übersetzer sich daher glücklich schätzen dürfen,
sich aus diesen Regalen, die die Welt erklären, nach
Gusto bedienen zu dürfen. Se régaler
heißt im Französischen übrigens, sich etwas
besonders Gutes zu gönnen, und genau das kann man in
der Straelener Bibliothek.
Sogar in einem Maße, daß es Karl Benjamin Preusker
womöglich gegraust hätte. Als er heute vor 175 Jahren
in Großenhain seine Schulbibliothek mit 132 Bänden
eröffnete, hätte er sicherlich nichts dagegen gehabt,
sie allmählich auf über 110.000 Bände auszubauen,
wie Regina das vollbracht hat. Aber wie hätte er wohl
auf das Ansinnen der Benutzer reagiert, zu jeder beliebigen
Tages- und Nachtzeit Zugang zu fordern oder gar neben dem
Regal mit Biographien, vor den russischen Klassikern oder
inmitten theologischer Werke ihr Bett aufzuschlagen, um dort
zu nächtigen?
Nun, wahrscheinlich wäre er dennoch begeistert, wenn
er sehen und miterleben könnte, wie hier die Idee einer
Bibliothek als einer Wohnstätte des Geistes
bis zur letzten Konsequenz fortgeführt worden ist. Das
Europäische Übersetzer-Kollegium hat keine Bibliothek,
sondern es ist eine, in der man wohnen und arbeiten kann.
Man stelle sich einen lichten Innenhof unter einem Glasdach
vor, zweistöckig umrahmt von Regalen mit Nachschlagewerken
sowie Arbeitstischen mit Computern, und sternförmig davon
abgehend neunundzwanzig Appartements, von denen keines dem
anderen gleicht und in denen wiederum Regale mit Büchern
stehen. Keine Nische, kein Durchgang, kein Toilettenvorraum,
der nicht ebenfalls eine kleine, thematisch in sich geschlossene
Bibliothek beherbergte. Wer bei uns zur Tür hereinkommt
und im Flur den Mantel an den Garderobenhaken hängt,
ist an Diderots und dAlemberts Enzyklopädie schon
vorbeigelaufen. Nur die Gemeinschaftsküche ist bücherfrei,
hat aber ihrerseits zur Entstehung eines kosmogastrosophischen
Straelener Kochbuches beigetragen, herausgegeben von wem wohl?
Von Regina Peeters natürlich.
Straelen - eine klösterliche Idylle für die Diener
des Wortes? Ja, irgendwie schon, aber dieses Kloster ist so
was von online und vernetzt, daß man versucht sein könnte
zu sagen: da surft der Mönch im Kettenhemd. Und zugleich
(aber das behalten Sie bitte für sich) ist das für
Insider die heißeste Wortspielhölle zwischen Bälde
und dem Polyglottertal. Auf alles, was es an Nachschlagewerken
und Literatur auf CD-ROM gibt, hält Regina Peeters zwar
energisch den abgespreizten Daumen, um Raubkopierern das Handwerk
zu legen, aber von jedem Arbeitsplatz und jedem Zimmer aus
kann man Tag und Nacht auf dieses Datenmaterial zugreifen,
und selbstverständlich ebenso zum Flachtarif (neudeutsch:
flatrate) auf das gesamte Internet. Das setzt bei Nutzern
nicht einmal den abspreizbaren Daumen voraus, denn die Software
hat Regina Peeters so idiotensicher zurechtgebogen, daß
selbst der Affengriff (Control Alt
Delete, Sie wissen schon) nur im äußersten Notfall
erforderlich ist.
Aber die Straelener Bibliothek bietet weit mehr als die Möglichkeit,
im digitalen Chaos zu wühlen. Google mag
eine gigantische Suchmaschine sein was Regina in Straelen
aufgebaut hat, ist weit besser, nämlich eine höchst
effiziente Findemaschine.
Das allein würde es rechtfertigen, so, wie man noch
heute bewundernd von der Bibliothek von Alexandria spricht,
auch in fernen Zeiten noch von der Bibliothek von Regina
zu sprechen. Das Wertvollste daran ist aber nicht diese Findemaschine,
sondern der gute Geist, der hinter ihr steht und sie belebt.
Als Leiterin einer Bibliothek, in der jährlich rund 750
Gäste leben und arbeiten, hat Regina Peeters einen Zuständigkeitsbereich,
den man dezenterweise als äußerst elastisch bezeichnen
könnte. Sie kümmert sich nicht nur um die vielfältigen
literarischen und persönlichen Nöte der Übersetzerinnen
und Übersetzer, sondern vertritt die Idee des Übersetzer-Kollegiums
durch ihre unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit auch
höchst wirkungsvoll nach außen, so wie vor wenigen
Tagen noch auf der Frankfurter Buchmesse.
Für all das haben wir Übersetzer Regina Peeters
herzlich zu danken.
Und im gleichen Atemzug möchte ich auch der einzigen
weiteren Persönlichkeit danken, deren Verdienste sich
hinter all dem nicht zu verstecken brauchen, und die es verdient,
sich die Preusker-Medaille mit unserer Regina zu teilen: ich
meine die Wissenschaftlerin Dr. Regina Peeters, die vor einem
Jahr eine Dissertation vorgelegt (fast hätte ich gesagt:
hingelegt) hat, deren Umfang sogar für ihren Spezialgriff
eine Herausforderung darstellt. Auf über 500 Seiten hat
sie die typischen Informationsbedürfnisse literarischer
Übersetzer analysiert und mit der geballten Erfahrung
von über zwanzig Jahren Praxis ein Modell entworfen,
wie die ideale Bibliothek hierfür beschaffen sein sollte.
Ganz zu schweigen von einer Fülle weiteren aufschlußreichen
Materials, das sie aus Bescheidenheit in eine beiliegende
CD-ROM verbannt hat, um Akademiker, die eine Habilitationsschrift
verfassen wollen, nicht sogleich angesichts einer mehrbändigen
Dissertation in die Depression zu treiben.
Mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium und allen
seinen Nutzern freue ich mich mehr-, pardon: unbändig,
daß Dr. Regina Peeters mit der Karl Preusker
Medaille ausgezeichnet wird, und beglückwünsche
die Jury zu ihrer Entscheidung. Wäre Regina achtzig,
würde ich das eine wohlverdiente Würdigung ihres
Lebenswerks nennen - und mir zugleich Sorgen um ihren Gesundheitszustand
machen, weil Preise hierzulande viel zu oft erst vergeben
werden, wenn es gilt, der Notwendigkeit einer posthumen Ehrung
gerade noch zuvorzukommen. Regina ist aber nicht einmal halb
so alt. Und deshalb betrachte ich diese Auszeichnung statt
dessen als eine Bestätigung dafür, daß wir
noch viel von ihr erwarten können.
Claus Sprick |