Brücke Berlin
Literatur- & Übersetzerpreis
der BHF - BANK - Stiftung

Pressemitteilung

Frankfurt am Main, den 7. April 2004

"Brücke Berlin" - Literatur- & Übersetzerpreis 2004 für László Darvasi und Heinrich Eisterer



Der ungarische Schriftsteller László Darvasi und sein Übersetzer Heinrich Eisterer sind die Träger des zum zweiten Mal verliehenen Literatur- und Übersetzungspreises „Brücke Berlin“.

Der Preis „Brücke Berlin“ wird von der BHF-BANK-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem
Literarischen Colloquium Berlin und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in zweijähriger Folge vergeben. Schirmherr des Preises ist Günter Grass. Der „Brücke Berlin“-Preis würdigt ein bedeutendes zeitgenössisches Werk aus den Literaturen Mittel- und Osteuropas und seine herausragende Übersetzung ins Deutsche. Er lenkt den Blick auf die gegenwärtige Literatur der Länder, deren Stimmen den Prozess der europäischen Einigung mitgestalten werden. Darüberhinaus würdigt der Preis die künstlerische und kulturvermittelnde Leistung literarischer Übersetzer.

Die Jury, der die Autorinnen und Übersetzerinnen Terézia Mora und Ilma Rakusa, der Schriftsteller Jan Koneffke und der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Prof. Klaus-Dieter Lehmann angehörten, entschied sich für die Auszeichnung des Romans „Die Legende von den Tränengauklern“, der 1999 im ungarischen Original und im Jahr 2001 in der deutschen Übersetzung im Suhrkamp Verlag erschienen ist.

„László Darvasi“, heißt es in der Begründung der Jury, „entwirft in seinem Roman das barocke Panorama eines vom Krieg zerrissenen Mitteleuropa. Die aus der sogenannten „Türkenzeit“ Ungarns im 16. und 17. Jahrhundert genommenen Versatzstücke des Historischen, die von Gewalt und Verwüstungen, aber auch von Liebe und Menschlichkeit erzählen, machen dieses Buch zu einer zeitlosen Parabel, in der die Menschengeschichte als Naturgeschichte erscheint. Dem Übersetzer Heinrich Eisterer ist es gelungen, die Stimmenvielfalt des Romans zwischen derber Rede, lyrischem Ton und wissenschaftlicher Akribie in eine deutsche Sprache zu bringen, die den „alten Ton“ trifft, die Register modernen Erzählens kennt und die stilistischen Grenzgänge beherrscht.“

Der Preis ist mit insgesamt 20.000 € dotiert und geht je zur Hälfte an den Autor und seinen Übersetzer. Die Preisverleihung findet am 18. Juni 2004 im Alten Museum in Berlin statt und ist mit einer Tagung zu Fragen der Vermittlung mittel- und osteuropäischer Literatur verbunden.

Rückfragen beantworten:

Wilhelm Burmester
Tel.: 06198 / 32308
E-mail: wilhelmbu@arcor.de, stiftung@bhf-bank.com
Jürgen Jakob Becker Tel.: 030 / 81 69 96 25 - E-mail: becker@lcb.de


Die Preisträger

Heinrich Eisterer

Geboren 1960, aufgewachsen in Wien, Studium der Germanistik und Finno-Ugristik an der Unversität Wien, diverse Berufstätigkeit, Übersetzer- und Dolmetscherausbildung mit den Sprachen Ungarisch und Französisch an der Universität Wien, seit 1998 freiberuflicher Übersetzer, lebt in Ungarn und Wien. Übersetzungen (aus dem Ungarischen): Peter Lengyel: Ziegelbruch. In: Einlesebuch. Ein Lesebuch zur ungarischen Literatur, Budapest 1999. Peter Lengyel: Die unbewohnten Stockwerke des Morgen. In: Kettenbrücke. Ungarische Erzählungen der Gegenwart, München 1999, dtv. László Darvasi: Die Legende von den Tränengauklern. Frankfurt/Main 2001, Suhrkamp. Imre Kertesz: Schritt für Schritt. Filmdrehbuch zum Roman eines Schicksallosen. Frankfurt/Main 2002, Suhrkamp. Peter Nádas: Der eigene Tod. 2002, Steidl. László Darvasi: Die Hundejäger von Loyang. Chinesische Geschichten. Frankfurt/Main 2003, Suhrkamp. László Darvasi: Eine Frau besorgen. Kriegsgeschichten. Frankfurt/Main 2003 edition suhrkamp.

László Darvasi

László Darvasi,1962 in Törökszentmiklos (Türkensanktnikolaus) in der Nähe von Budapest geboren, verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Szeged, einer Universitätsstadt im Süden des Landes, direkt an der serbischen Grenze. 1986 schloß er dort sein Studium an der Pädagogischen Akademie mit dem Diplom ab und unterrichtete bis 1989 an verschiedenen Grundschulen. Danach wandte er sich dem Journalismus zu: er war Mitarbeiter einer Szegeder Tageszeitung, war 1990 Gründungsmitglied der Literaturzeitschrift Pompeji und ist seit 1993 regelmäßiger Mitarbeiter der ungarischen Wochenzeitung Elet es Irodalom (Leben und Literatur). Fußballreportagen, TV-Kritik, Feuilletons (u.d. PS. Sziv Ernö = Erwin Herz). Sein Werk wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet: 1994 Preis für das Buch des Jahres; 1996 Krúdy-Preis; 2003 Preis für das beste ungarische Kinderbuch des Jahres. 1996 erhielt er ein Stipendium des Künstlerhauses Schloß Wiepersdorf, 1997 das Literaturstipendium der Stadt Graz. Im Jahr 2000/2001 war Darvasi Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Heute lebt er in Szeged und Budapest.

1991 Antal Horger in Paris. Gedichte
1992 Die Portugiesen. Gedichte
1993 Die Veinhagener Rosensträucher (teilweise übersetzt in „ Das traurigste Orchester“)
1994 Die Traurigkeit des Ugo Borgognoni. Kurzgeschichten
1995 Das traurigste Orchester der Welt, (Ü. Agnes Relle), Rowohlt Berlin
1995 Der Kleofas-Comic. Geschichten, Legenden und Comicstrips
1997 (Sziv Ernö): Wie verführt man eine Bibliothekarin. Feuilletons. (Teilübersetzung Christina Viragh: „Das schwarze Berlinheft" )
1998 Geliebte Genossin Dumumba. Ungarische Novellen
1999 Die Legende von den Tränengauklern. Roman (Ü. Heinrich Eisterer) Suhrkamp 2001
2000 Eine Frau besorgen. Kriegsnovellen, dt.Ü. (H. Eisterer, T. Mora, A. Relle) edition suhrkamp2003
2001 Die Hundejäger von Loyang. Chinesische Geschichten (Ü. Heinrich Eisterer), Suhrkamp 2003
2003 Trapiti. Kinderroman. (Zum besten ungarischen Kinderbuch des Jahres 2003 gewählt)