Pressemitteilung
Berlin, 20.11.2001
Urhebervertragsrecht
Verwässerter, nicht verbesserter Regierungsentwurf
Das im Börsenblatt vom 20. 11. veröffentlichte
Interview mit Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin
zeigt, dass die bisher geplanten Verbesserungen des Urheberschutzes
offenbar der massiven Lobbyarbeit und Machtdemonstration von
Verwerterverbänden zum Opfer fallen.
Die vorgesehenen Änderungen am Regierungsentwurf gehen
in erheblichem Maße auf Verwerterbedenken ein, die nur
eines bezwecken: praktizierte Ungerechtigkeiten unter dem
Mäntelchen der Rechtssicherheit zu zementieren.
Beispielsweise weigern sich bisher kleine Verlage wie Wagenbach
und große Konzerne wie Bertelsmann, Übersetzer
an der einträglichen Verwertung von Nebenrechten zu beteiligen.
Statt eines Anspruchs auf angemessene Vergütung soll
den Übersetzern gegen solche branchenüblichen Missstände
nun lediglich ein auf drei Jahre befristeter nachträglicher
"Korrekturanspruch" zustehen - sie wären praktisch
gezwungen, prophylaktisch Verträge anzufechten. Das ist
in der Realität nicht praktikabel. Wie gehabt würde
der Urheber eine angemessen Vergütung nur nach jahrelangen,
kaum finanzierbaren Prozessen und dem Verlust des Auftraggebers
durchsetzen können. Dieses Risiko müsste der Urheber
dann auch noch blind eingehen, da der bisher vorgesehene Auskunftsanspruch
über die Erträge aus der Verwertung entfallen soll.
Geringfügig verbesserte Regelungen zu den Bestimmungen
des bisherigen "Bestsellerparagrafen" können
dies nicht ausgleichen. Sie führen nur dazu, dass Übersetzer
und andere Urheber weiterhin so lange unangemessen vergütet
werden, bis es "auffällt".
Zwar soll es bei dem Konzept der Gesamtvereinbarungen zwischen
Urheber- und Verwerterverbänden bleiben. Nur: Seit Beginn
der Diskussion um die Reform haben sich die Vertrags- und
Honorarbedingungen für Übersetzer weiter verschlechtert.
Ohne ausreichenden gesetzgeberischen Druck, so die Erfahrung
der Übersetzer, bleibt ihre angemessene Vergütung
Illusion.
Gabriele Gockel, Thomas Wollermann
Pressestelle VdÜ/Bundessparte Übersetzer
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