„Mein hochgelahrter, tiefstudierter Herr!“ - Titel, Anrede, Gruß und Höflichkeit im Wandel der Zeiten
Eine ganztägige sprachübergreifende Fortbildung für literarische Übersetzer und andere Interessierte.
Veranstaltet vom Literarischen Colloquium und moderiert von Gabriele Leupold und Eveline Passet.
Arthur Schopenhauer vergleicht in seiner treffenden Metapher die Höflichkeit mit der „mittleren Entfernung“, die Stachelschweine an kalten Wintertagen mühselig herzustellen versuchten, um nicht zu frieren und sich zugleich auch nicht zu stechen. Doch wie macht man sich mit Sprache bei anderen beliebt, und wie hält man sie auf Abstand? Was bedeutet es, wenn Heinrich von Kleist einen Brief mit „Untertänigster Diener“ unterschreibt? Wann haben Kinder ihre Eltern gesiezt, wann der Papst den Kaiser „geerzt“, zeugte ein „Ihr“ von Vertraulichkeit oder Distanz? Zwei Linguisten erkunden das Spannungsverhältnis zwischen universalen Strategien wechselseitiger „Gesichtspflege“ und seinem stets historisch gewachsenen Ausdrucksinventar. Klaas Hinrich Ehlers, Sprach- und Dialektforscher aus Frankfurt/Oder, stellt in seinem Vortrag "Von 'Hochachtungsvollst' über 'Heil Hitler' bis 'Herzliche Grüße’“ die Entwicklung höflicher Routinen an Briefen dar. Gudrun Held, Romanistin aus Salzburg, wendet sich der Literatur im engeren Sinne zu und beleuchtet in ihrem Vortrag „Wenn die Red' ein Feiertagsgwandl anzieht“ die Inszenierung sprachlicher Höflichkeit in Johann N. Nestroys Wiener Komödienwelt.
Im Anschluss an die Vorträge bieten wir, wie immer, zwei kleine Werkstätten an.
Veranstaltungsdatum und –ort: 27.10.2011, 10:00 – 18:00 Uhr, Literarisches Colloquium Berlin, Am Sandwerder 5, 14109 Berlin
Der Eintritt ist frei, 10 Euro Unkostenbeteiligung für einen Mittagsimbiss und Getränke sind vorgesehen.
Anmeldung per E-Mail erbeten an becker@lcb.de oder Fax 030-81699619.