15. Seminar für literarisches Übersetzen


Mit Karin Krieger, Josef Winiger, Ulrich Blumenbach und
Willi Zurbrüggen

Gäste: Jean-Luc Benoziglio und Gabriela Zehnder

Freitag, 16. April, bis Sonntag, 18. April 2010
Müllerhaus für Literatur und Sprache, Lenzburg

Bereits zum 15. Mal findet das Seminar für literarisches Übersetzen in der Schweiz statt. 1996 von Pedro Zimmermann im Künstlerhaus Boswil begründet, ist es zum vierten Mal im Müllerhaus Lenzburg zu Gast. Das Seminar richtet sich an professionelle oder angehende literarische ÜbersetzerInnen. Es dient der Aus- und Weiterbildung und der Gruppenarbeit anhand von Textbeispielen, Übersetzungsvergleichen und Problemen aus der Werkstatt des einzelnen Übersetzers. Es ermöglicht einen intensiven Ideenaustausch und vermittelt Anregungen, Informationen und Kontakte. Im Zentrum des Seminars stehen Workshops, die von erfahrenen ÜbersetzerInnen geleitet werden. Umrahmt werden sie von Veranstaltungen mit Lesungen und Werkstattgesprächen, die auch einem breiteren literarisch interessierten Publikum die Probleme des Übersetzens bewusst machen.

Workshops in 4 Arbeitsgruppen

Französisch-Deutsch
Leitung: Josef Winiger, Kaltental-Bonhofen D
Freier Übersetzer: Georges Simenon, Julien Green, François Bergier, André Glucksmann, Kenneth White, Georges Rouaud u. a.

Englisch-Deutsch
Leitung: Ulrich Blumenbach, Basel
Freier Übersetzer: Paul Beatty, Agatha Christie, Tibor Fischer, Kinky Friedman, Stephen Fry, Hugh Laurie, Arthur Miller, Robert Sedlack, David Foster Wallace u. a.

Spanisch-Deutsch
Leitung: Willi Zurbrüggen, Heidelberg
Freier Übersetzer: Luis Sepulveda, Antonio Skarmeta, Antonio Munoz Molina, Francisco Coloane, Javier Cercas, Igranzio Aldecoa u. a.

Italienisch-Deutsch
Leitung: Karin Krieger, Berlin
Freie Übersetzerin: Alessandro Baricco, Ugo Riccarelli, Giuseppe Pontiggia, Roberto Cotroneo, Claudio Magris, Armando Massarenti, Giulio Leoni u. a.

Je mind. 8 TeilnehmerInnen pro Gruppe

Den angemeldeten TeilnehmerInnen werden Texte zur Vorbereitung zugesandt.

Projektleiter: Pedro Zimmermann, M.A., Zürich

 

Rahmenprogramm (öffentlich)

Freitag, 16. April, 14.15 Uhr

Ulrich Blumenbach über seine Übersetzung des Kultromans „Unendlicher Spass“ von David Foster Wallace

"Infinite Jest" - "unendlicher Spass" - so nannte James Incandenza seinen Film, der Menschen, die ihn anschauen, so verhext, dass sie sich nicht mehr von ihm lösen können und dabei verdursten und verhungern. Sein Sohn, ein Tenniswunderkind mit aussergewöhnlichen intellektuellen Fähigkeiten, studiert an der Tennis Academy, die von seinem Vater gegründet wurde. Hier sowie in einem Entziehungsheim für Drogenabhängige spielt ein Teil der über-bordenden Handlung, die jeden literarischen Kosmos sprengt - in einem leicht in die Zukunft versetzten Amerika.
1996 erschien "Infinite Jest" in den USA und machte David Foster Wallace über Nacht zum Superstar der Literaturszene. Nicht nur der Umfang (1100 Seiten), sondern vor allem die sprachliche Kreativität, die Themenvielfalt, die treffsichere Gesellschaftskritik sowie der Humor machen den Roman zum Meilenstein der amerikanischen Literatur. Das Buch galt als unübersetzbar, doch Ulrich Blumenbach ist das Wagnis eingegangen: 6 Jahre lang hat er an der Übersetzung gearbeitet, und seine kongeniale Übertragung ins Deutsche gibt deutschsprachigen Lesern nun endlich die Möglichkeit, das Buch kennen zu lernen.

Ulrich Blumenbach hat u. a. James Joyce, Essays von Arthur Miller und Stephen Fry übersetzt. Er wurde mit dem "Hieronymusring für besondere Leistungen in der literarischen Übersetzung" geehrt, 2009 wird ihm der Rowohlt-Übersetzerpreis der Heinrich Maria Ledig Rowohlt-Stiftung verliehen.

Unendlicher Spass ist ein gewaltiges Buch, ein erschöpfendes und inspirierendes Buch, besserwisserisch und genial, ebenso unnahbar wie verführerisch. Dreizehn Jahre nach Veröffentlichung des amerikanischen Originals scheint es sich in Ulrich Blumenbachs grossartiger Übersetzung wie ein Phoenix aus der Asche der literarischen Postmoderne zu erheben.“

Thomas David, NZZ am Sonntag 13.9.09

 

Sonntag, 20. April 2010, 11.15 Uhr

Literarische Matinee: Lesung und Werkstattgespräch

Jean-Luc Benoziglio

wurde 1941 in Monthey (Wallis) geboren. Er studierte an der Universität Lausanne Jura und Politologie. Seit 1967 lebt er in Paris, wo er bei verschiedenen Verlagen arbeitete und bisher 13 Romane veröffentlicht hat (alle bei Editions du Seuil). Vier davon sind auf Deutsch bei Rowohlt erschienen: «Stilleben mit Pistole», «Porträt-Sitzung», «Der Tag, an dem Kary Karinaky auf die Welt kam» und «Bilder einer Ex». Benoziglio, der sich durch seine vertrackten Wortspiele und seinen abgründigen Humor auszeichnet, wurde mit verschiedenen Preisen geehrt, u. a. mit dem Prix Medicis für «Cabinet Portrait», dem Schillerpreis 1998 für sein Gesamtwerk, dem Prix Lipp für «Le Feu au Lac». Für «Louis Capet» erhielt er den Prix Michel Dentan 2005 und den Prix des Auditeurs de la Radio Suisse Romande 2006.


Gabriela Zehnder

lebt als freie literarische Übersetzerin im Tessin. Sie hat verschiedene französische und Westschweizer sowie Tessiner Autorinnen und Autoren übersetzt, unter anderen Emmanuel Bove, Ignacio Ramonet, Muriel Barbery, Maud Tabachnik, Jean-Pierre Richardot, Jean-Etienne Bovard, Thierry Luterbacher. Von Jean-Luc Benoziglio hat sie für den Verlag Die Brotsuppe „Louis Capet, Fortsetzung und Schluss“ übersetzt und arbeitet zur Zeit an der Übertragung von „Le feu au lac“.

„Letztlich haben die Romands und die Franzosen eigentlich nur etwas gemeinsam: die Sprache. Und auch dies nicht unbeschränkt. Nicht nur, weil die Romands ihre Accents und ihre lexikalischen Eigenheiten besitzen, sondern auch, weil viele Westschweizer eine andere, nämlich eine skeptischere, von bäuerlichem Pragmatismus und von protestantischem Ethos geprägte Einstellung zur Sprache haben.
Der Walliser Schriftsteller Jean-Luc Benoziglio, der seit vielen Jahren in Paris lebt, hat einen schönen Roman („Louis Capet“) geschrieben, in dem er diese unterschiedlichen Haltungen brillant und amüsant einfängt. In dieser historischen Fiktion malt er sich aus, dass der französische König Louis XVI 1793 nicht guillotiniert, sondern in die Waadt ins Exil geschickt wurde. Und mit feiner Ironie beschreibt er das Befremden, das sich unter den Weinbauern im Dörfchen St-Saphorien (sic) breitmacht, als der französische Monarch auftritt, dessen höfisches Französisch so künstlich wirkt wie die Perücke, die er gelegentlich überstreift.“

Christoph Büchi, NZZ, 2. Mai 2007

 

Die LeiterInnen der Ateliers


Josef Winiger, Kaltental-Bonhofen

geboren 1943 in der Schweiz, studierte Philosophie in Paris, Aix-en-Provence und München. Er promovierte über Feuerbachs Weg zum Humanismus und ist seit 1979 freier Literaturübersetzer. Winiger ist Autor zahlreicher Beitrage in Zeitungen und Zeitschriften zu Themen der Literaturübersetzung und der Philosophie.

Freier Übersetzer von Belletristik und Sachbüchern aus dem Französischen: Georges Simenon, Julien Green, Jean-François Bergier, André Glucksmann, Jean Rouaud u. a. Leiter der Übersetzerwerkstatt F und D in Straelen, Biel und im Übersetzerhaus Looren.

Preise: 1999 Übersetzerpreis des C.H. Beck Verlages, 2006 Prix lémanique de la traduction, mehrere Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds.

Ulrich Blumenbach, Basel

geb. 1964 in Hannover; Studium der Anglistik, Germanistik und Geschichte; lebt in Basel.

Freier Literaturkritiker und Übersetzer von Bildbänden, Sachbüchern und Belletristik aus dem Englischen; übersetzte u.a. Paul Beatty, Agatha Christie, Tibor Fischer, Kinky Friedman, Stephen Fry, Hugh Laurie, Arthur Miller, Robert Sedlack, Will Self und David Foster Wallace

Blumenbach leitet zusammen mit Fritz Senn das Zürcher Übersetzertreffen, ist Lehrbeauftragter des Studiengangs Literarisches Übersetzen an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Mitglied im Vorstand des Deutschen Übersetzerfonds sowie im Verein Übersetzerhaus Looren.

 

Willi Zurbrüggen, Heidelberg

arbeitet nach einer Übersetzerausbildung am Englischen Institut in Heidelberg und mehrjährigem Aufenthalt in Mexiko und Mittelamerika seit 1982 als freier Übersetzer.

Ubersetzungen aus dem Spanischen: Bernardo Atxaga, Mario Benedetti, Luis Sepulveda, Antonio Skarmeta, Antonio Munoz Molina, Francisco Coloane, Javier Cercas, Luis Landero, Ignazio Aldecoa u. a.

Preise: Übersetzerpreis des Spanischen Kulturministeriums, Literaturpreis der Stadt Stuttgart, Übersetzerpreis der Spanischen Botschaft in Bonn.

Karin Krieger, Berlin

Geboren 1958 in Berlin
Freie Übersetzerin aus dem Italienischen: Alessandro Baricco, Giuseppe Pontiggia, Ugo Riccarelli, Roberto Controneo, Claudio Magris, Roberto Alajmo, Giulio Leoni, Armando Massarenti u. a.

Leitete Übersetzerseminare in Berlin, Biel und Straelen.

Gewann einen exemplarischen Prozess gegen den Piper Verlag für die Rechte der ÜbersetzerInnen (Erfolgsbeteiligung am Bestseller „Seide“ von Baricco)


Projektleitung


Pedro Zimmermann

studierte Germanistik und Musikwissenschaft und schloss 1972 an der Universität Zürich mit dem Lizentiat (M.A.) ab. Während zwanzig Jahren war er bei verschiedenen literarischen Verlagen als Korrektor, Lektor, Herausgeber und Programmleiter tätig (u. a. Unionsverlag, Diogenes, Haffmans, Benziger). 1996 bis 2005 war er Leiter des Künstlerhauses Boswil, wo er u. a. das Übersetzerseminar initiierte und zahlreiche Lesungen und ein Literaturfestival organisierte. Seit 2006 ist er Kulturvermittler und betreut neben dem Übersetzerseminar in Lenzburg vor allem musikalische Projekte. Zimmermann lebt in Zürich.

Das Seminar wird unterstützt von:

Centre de Traduction Littéraire Lausanne (CTL)

Autorinnen- und Autorenverband der Schweiz, Sparte literarische Übersetzer

ÜbersetzerInnenhaus Looren

Verband deutschsprachiger Übersetzer (VdÜ)

ASTTI

Dolmetscher- und Übersetzervereinigung (DÜV)

Schule für Angewandte Linguistik SAL

Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia

Oertli-Stiftung

Kulturfonds der Pro Litteris

Gamil-Stiftung


Kurskosten: inkl. 3 Mahlzeiten Fr. 200.- / 130 Euro, zahlbar bis 20 Tage vor Kursbeginn. Annullationskosten 50%, ab 10 Tage vor Kursbeginn 100%

Übernachtung:

Hotel Lenzburg, Lenzburg. EZ Fr. 100.-, DZ Fr. 80.-/Nacht
Hotel Ochsen, Lenzburg. EZ Fr. 125.-, DZ Fr. 85.-/Nacht

Sie erreichen das Hotel Lenzburg, das Hotel Ochsen und das Müllerhaus zu Fuss in 8-10 Min. vom Bahnhof. Jede halbe Stunde ein Schnellzug von und nach Aarau, Basel, Bern oder Zürich.


Anmeldung und Information:

Pedro Zimmermann, Projektleiter, Nürenbergstr. 17, CH-8037 Zürich

Tel. 044 363 29 66 pedrozim@hispeed.ch

Anmeldung bis spätestens 18. März 2010