Seminar für literarisches Übersetzen
Mit Karin Krieger, Josef Winiger, Willi Zurbrüggen, Marcus Ingendaay sowie Jacques Chessex und Elisabeth Edl als Gästen
Freitag, 18. April, bis Sonntag, 20. April 2008
Müllerhaus
für Literatur und Sprache,
Lenzburg
Das Lenzburger Seminar richtet sich an professionelle oder angehende literarische ÜbersetzerInnen. Es dient der Aus- und Weiterbildung und der Gruppenarbeit anhand von Textbeispielen, Übersetzungsvergleichen und Problemen aus der Werkstatt des einzelnen Übersetzers. Es ermöglicht einen intensiven Ideenaustausch und vermittelt Anregungen, Informationen und Kontakte. Im Zentrum des Seminars stehen Workshops, die von erfahrenen ÜbersetzerInnen geleitet werden. Umrahmt werden sie von zwei öffentlichen Veranstaltungen mit Lesungen und Werkstattgesprächen.
Das Seminar ist eine Veranstaltung des Müllerhauses für Literatur und Sprache Lenzburg, in Zusammenarbeit mit der SAL Schule für Angewandte Linguistik Zürich.
Projektleiter: Pedro Zimmermann, M.A., Zürich
Workshops in 4 Arbeitsgruppen
Französisch-Deutsch
Leitung: Josef Winiger, Kaltental-Bonhofen D
Freier Übersetzer: Georges Simenon, Julien Green, François
Bergier, André Glucksmann, Kenneth White, Georges Rouaud u. a.
Englisch-Deutsch
Leitung: Marcus Ingendaay, München
Freier Übersetzer:
Helen Fielding, William Gaddis, Zadie Smith, David Foster Wallace, Truman
Capote u. a.
Spanisch-Deutsch
Leitung: Willi Zurbrüggen, Heidelberg
Freier Übersetzer: Luis Sepulveda, Antonio
Skarmeta, Antonio Munoz Molina, Francisco Coloane, Javier Cercas u. a.
Italienisch-Deutsch
Leitung: Karin Krieger, Berlin
Freie Übersetzerin:
Alessandro Baricco, Ugo Riccarelli, Giuseppe Pontiggia, Roberto Cotroneo,
Claudio Magris, Giulio Leoni u. a.
Je mind. 8 TeilnehmerInnen pro Gruppe
Den angemeldeten TeilnehmerInnen werden Texte zur Vorbereitung zugesandt.
Rahmenprogramm (öffentlich)
Freitag, 18. April, 14.00 Uhr:
Vom »Diener des Textes« zum Autor der deutschen
Version
Neue Konzepte zur Übersetzung von Unterhaltungsliteratur
Vortrag von
Marcus Ingendaay, mit Beispielen/Übungen
Lektoren von Unterhaltungsliteratur klagen immer wieder über hölzerne Übersetzungs-manuskripte. Ursächlich hierfür ist das umfassende Einschüchterungssystem, dem literarische Übersetzer bereits in ihrem Studium unterworfen werden. Zu einer so genannten »Texttreue« vergattert, sind sie oft nicht mehr in der Lage, selbständig und leserorientiert zu schreiben.
Viele ÜbersetzerInnen, vor allem Berufseinsteiger, wissen gar nicht (oder können nicht glauben), was moderne Publikumsverlage von ihnen erwarten, nämlich eine gute Nacherzählung in einem lebendigen nachvollziehbaren Deutsch und gerade nicht die philologische Kopistenarbeit, die in Ehrfurcht vor dem Original erstarrt. Letztlich geht es um eine Neudefinition des Berufs: weg vom Diener des Textes, hin zum souverän agierenden Verfasser einer deutschen Version, der in erster Linie den Leser im Blick hat.
Die praktische Textarbeit soll zeigen, welche Gestaltungsmöglichkeiten die gewonnene Freiheit bietet — meist erheblich mehr, als gemeinhin angenommen wird. Anhand von Texten aus verschiedenen Genres (Spannungsliteratur, moderne Frauenunterhaltung) kommen klassische Übersetzungsprobleme bei Satzgestaltung und Dialogführung ebenso zur Sprache wie etwa der Umgang mit offensichtlichen Schwächen des Originals oder »unübersetzbaren« bzw. erklärungsbedürftigen Passagen.
Samstag, 20. April, 20.15 Uhr:
Jacques Chessex
Lesung und Werkstattgespräch Einführung und Moderation: Elisabeth Edl
Jacques Chessex zählt zu den bedeutendsten Autoren der Romandie. Geboren am 1. März 1934 in Payerne, besuchte er das Gymnasium in Freiburg, und studierte dann in Lausanne Literatur. Er unterrichtete Französisch, schrieb aber schon im frühen Alter Poesie. Il publie en 1954 un premier recueil, Le Jour proche , bientôt suivi de trois autres volumes, Chant de printemps, Une voix la nuit, Batailles dans l’air .1954 veröffentlichte er eine erste Sammlung, Le jour proche, gefolgt von drei weiteren Bänden. Dans ces années de formation intervient le suicide de son père, tragédie que Jacques Chessex ressent comme la coupure décisive de sa vie. Der Selbstmord seines Vaters bedeutete einen entscheidenden Einschnitt in seinem Leben, den er mit Schreiben zu bewältigen versuchte. Cette mort absurde représente pour lui une blessure jamais cicatrisée; elle crée un manque que l’écrivain tente de combler par l’écriture.Mit seinen seit 1967 erschienenen Prosaarbeiten „La confession du Pasteur Bourg“, „Carabas“ und „Porträt des Vaudois“ wurde er im gesamten französischen Sprachraum bekannt. 1973 erhielt er für seinen Roman „L’ogre“ („Der Kinderfresser“) den Prix Goncourt, den bedeutendsten Literaturpreis Frankreichs, und schaffte den internationalen Durchbruch. Seine Werke erscheinen in der Folge bei Grasset in Paris. Das Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt und verfilmt. Seither hat er zahlreiche Romane geschrieben, zuletzt „Le vampir de Ropraz“, der im Herbst auf Deutsch erscheint, sowie Essays und Gedichte. Prix Goncourt en 1973 pour son roman L’Ogre , aux éditions Grasset, l’écrivain occupe une position dominante dans la littérature romande.Jacques Chessex vit à Ropraz, dans le Haut Jorat, mais il entretient des liens étroits avec Paris.Jacques Chessex lebt in Ropraz, im Haut-Jorat, aber er hält engen Kontakt mit Paris.Puissant et vulnérable, communiquant sa passion pour Dieu, pour la femme, les livres, la peinture, les paysages, il a introduit tout un jeu de couleurs, parfois légères parfois violentes, dans la littérature francophone contemporaine. Jacques Chessex, membre du jury du Prix Médicis depuis 1996, a reçu en 1999 le Grand Prix de la langue française pour l’ensemble de son oeuvre et le Grand Prix du rayonnement, de l’Académie françaEr ist seit 1996 Mitglied der Jury des Prix Médicis, 1999 erhielt er für sein gesamtes Werk den Grand Prix der Académie française.
Elisabeth Edl, 1956 in der Steiermark geboren, lebt in München. Studium der Germanistik und Romanistik, Übersetzer- und Dolmetscherausbildung in Graz. Seit 1995 freie Übersetzerin für die französische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Übersetzte Werke von Julien Green, Philippe Jaccottet, Patrick Modiano, Jules Verne, Stendhals „Rot und Schwarz“ und „Le vampir de Ropraz“ von Chessex.. Sie erhielt zahlreiche Preise: den Hieronymus-Ring des Verbands deutscher Übersetzer (2004), den Johann-Heinrich-Voß-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (2005) und den Oesterreichischen Staatspreis für literarisches Übersetzen (2006).
Das Seminar wird unterstützt von:
- Centre de Traduction Littéraire Lausanne
- Autorinnen- und Autorenverband der Schweiz, Sparte literarische Übersetzer ÜbersetzerInnenhaus Looren
- Verband deutschsprachiger Übersetzer (VdÜ) Dolmetscher- und Übersetzervereinigung Schweizer Übersetzerverband
- Kulturfonds Pro Litteris (finanzieller Beitrag)
- Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia (finanzieller Beitrag)
- Oertli Stiftung (finanzieller Beitrag)
Kurskosten: Fr. 130.- / 80 Euro, zahlbar bis 20 Tage vor Kursbeginn.
Ausfallentschädigung 50% bis 10 Tage vor Kursbeginn, 100% weniger als 10 Tage vor Kursbeginn
Übernachtung und Verpflegung:
Hotel Haller, Lenzburg
Einzelzimmer Fr. 100.-, Doppelzimmer Fr. 80.-/Nacht
Sie erreichen das Hotel
Haller und das Müllerhaus (liegt in der
Nähe) zu Fuss in 8 Min. vom Bahnhof. Jede Stunde ein Schnellzug von
und nach Aarau, Basel, Bern oder Zürich.
Anreise: Freitag, 18. April,
ab 13.00 Uhr, Hotelbezug
Treffpunkt: 14.00 Uhr, Begrüssung
Müllerhaus für Literatur,
Bleicherain 7, Lenzburg
14.00 – 16.30 Unterhaltungsliteratur übersetzen
mit Marcus
Ingendaay
17.00-19.00 Workshops
Samstag, 19. April
10.00-12.00, 14.30-17.30 Workshops
Sonntag, 20. April
9.30-11.30 Workshops
11.30-12.30 Schlussplenum: Berichte aus den Workshops,
Evaluation
13.00 Ende des Seminars
Anmeldung und Information:
Pedro Zimmermann, Projektleiter, Nürenbergstr. 17,
CH-8037 Zürich
Tel. 044 363 29 66 pedrozim@hispeed.ch
Anmeldung bis spätestens 18. März 2008