Stilfragen

Eine ganztägige und sprachübergreifende Fortbildung zur Geschichte der deutschen Sprache.
Für literarische Übersetzer und andere Interessierte.

Veranstaltet vom Literarischen Colloquium Berlin mit Gabriele Leupold und Eveline Passet.

Stil, so lautet die vielleicht allgemeinste Definition – zu finden in Adelungs Grammatisch-kritischem Wörterbuch von 1793 – ist „die Art und Weise, wie man seine Gedanken ordnet und vorträgt“. Wir würden heute hinzufügen, Stil sei jener Spagat eines Autors zwischen Norm und Abweichung, seine individuelle Ausschöpfung sämtlicher Möglichkeiten, die eine Sprache bereithält, ob Syntax oder Rhythmus, Wortschatz oder Metaphernschatz, notfalls auch deren Zertrümmerung. Damit setzen wir Stil mit Individualstil gleich – eine Vorstellung, die so erst im 18. Jahrhundert aufkam. Andere Epochen maßen der Person des Autors geringere Bedeutung bei, Stil konnte vor allem heißen, vorgegebene Sprachmuster möglichst virtuos umzusetzen – was Individualität freilich nicht ausschloß.

Wenn Übersetzer historischer oder mit alten Sprachelementen spielender Texte auf deutschsprachige Werke vorausgegangener Jahrhunderte zurückgreifen, um sich einzulesen, stehen sie häufig vor der Frage: Welche stilistischen Eigenheiten zeichnen zu einer bestimmten Epoche ein bestimmtes Genre aus, so daß ich sie mir für meine Zwecke gut zueigen machen kann? Nach welchen Sprachelementen, grammatischen, klanglichen, metaphorischen, kann ich bei welchem Autor bevorzugt suchen?

In unserem ganztägigen Seminar begibt sich Anne Betten mit ihrem Vortrag Direkte Rede und episches Erzählen im Vergleich auf eine syntaktische Reise durch fünf Jahrhunderte (1500-2000). Und Ulla Fix fragt in Heines "Harzreise" und der Trivialroman "Leidenschaft und Liebe" von Clauren nach typischen Stilmitteln des 19. Jahrhunderts. Den Abschluß bildet wie immer ein Werkstatt-Teil.

Veranstaltungsdatum: 23. Februar 2006, 10.00 – 18.00 Uhr,

Veranstaltungsort: Literarisches Colloquium Berlin, Am Sandwerder 5, 14109 Berlin.

Der Eintritt ist frei, 8 Euro Unkostenbeteiligung für einen Mittagsimbiß und Getränke sind vorgesehen.

Anmeldung per Mail erbeten an becker@lcb.de oder Fax 030-81699619.

Mit freundlicher Unterstützung der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur.