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Leserbrief Ulrich Blumenbach
Sehr geehrter Herr Güntner,
haben Sie ganz herzlichen Dank für Ihren besonnenen Artikel über die "Notwendige
Unterbezahlung?" von Literaturübersetzern: durchaus eine Wohltat nach
dem Geschimpfe der letzten Tage. Nur eine Kleinigkeit möchte ich aus meiner
eigenen Perspektive zurechtrücken. Sie schreiben:
"Wenn ein gefragter Übersetzer wie Burkhart Kroeber klagt, 'wir
müssen von etwa 1000 Euro pro Monat leben', dann ruiniert er nicht
nur seine eigene Glaubwürdigkeit, sondern die der ganzen Zunft. Zweifellos
gibt es Übersetzer in Armut, denen eine bessere Bezahlung von Herzen
zu wünschen ist. Aber es riecht aufdringlich nach Propaganda, immer
die Unterprivilegierten vorzuschicken, von denen mit gutem Auskommen aber
zu schweigen."
Ich sitze seit vier Jahren an der Übersetzung von David Foster Wallaces Mammutroman "Infinite Jest" und werde vermutlich noch zwei weitere Jahre brauchen. Ich gehöre dabei zu den -- nach gegenwärtigen Massstäben -- privilegierten Literaturübersetzern mit einem vergleichsweise hohen Grundhonorar und einer früh einsetzenden Erfolgsbeteiligung. Trotzdem erwirtschafte ich (bei einem normalen Achtstundentag und einer Fünftagewoche) nur einen Umsatz von ziemlich genau 1'500 Euro im Monat, lande also nach Abzug aller Berufsausgaben bei einem Einkommen unter 1'000 Euro. Dass ich -- trotz Wohnsitz in der Schweiz -- zum Glück trotzdem nicht zu den in Armut lebenden Übersetzern gehöre, liegt daran, dass ich die Arbeit an "Infinite Jest" immer wieder unterbrechen und mich lukrativeren Arbeiten widmen kann.
Dies nur, um die Perspektive vielleicht etwas zurechtzurücken.
Mit freundlichen Grüssen aus Basel,
Ulrich Blumenbach
7.2.2007
Kurz-Biographie Ulrich Blumenbach
Ulrich Blumenbach
geb. 1964 in Hannover; Studium der Anglistik, Germanistik
und Geschichte; freier Literaturkritiker und Übersetzer von Bildbänden,
Sachbüchern und Belletristik aus dem Englischen; übersetzte u.a.
Paul Beatty, Agatha Christie, Tibor Fischer, Kinky Friedman, Stephen Fry,
Hugh Laurie, Arthur Miller, Robert Sedlack, Will Self, und David Foster Wallace
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