Bundespräsident Rau würdigt Arbeit der Übersetzer


In seiner Rede zur Eröffnung des Kongresses der Internationalen Verleger Union in Berlin am 21.6.2004 würdigte Bundespräsident Johannes Rau ausführlich die Arbeit der Übersetzer. Er fand vor der versammelten Verlegerschaft auch deutliche Worte, das Anliegen der Übersetzer zu unterstützen, endlich auch eine dem kulturellen und wirtschaftlichen Wert ihrer Arbeit angemessenen Vergütung zu erhalten:

"Ich wünsche mir, dass Übersetzer vernünftige Arbeitsbedingungen haben und anständig bezahlt werden."

Hier ein Auszug aus der Rede (den vollständigen Text finden Sie unter www.bundespraesident.de):

"[...] Sie werden sich denken können, dass man als Bundespräsident viel im Lande herumkommt. Man trifft auf große, unübersehbare Institutionen, man trifft aber auch auf kleine, aber feine Einrichtungen, die der breiten Öffentlichkeit weniger bekannt sind, die aber sehr wertvolle Arbeit leisten.

Eine dieser kleinen Einrichtungen, die mir geradezu ans Herz gewachsen ist, ist das Europäische Übersetzerkolleg in Straelen. Straelen ist ein kleines Städtchen am Niederrhein, an der Grenze zu den Niederlanden. In diesem Übersetzerkolleg können Übersetzer Tage, Wochen oder Monate leben und an einem Projekt arbeiten. Eine fast klösterliche Atmosphäre, Gemeinschaft mit Kollegen und eine hervorragende Bibliothek bieten beste Arbeitsbedingungen. Ich bin froh darüber, dass es dieses Kolleg gibt. Ich glaube nämlich, dass gute Übersetzungen immer wichtiger werden - und dass Übersetzer beste Bedingungen verdienen, damit sie ihre schwierige Arbeit möglichst gut tun können.

Wer übersetzt, der tut professionell das, was wir alle tagtäglich leisten müssen: er versucht, das Fremde zu verstehen und eine Form zu finden, in der es in der eigenen Sprache sagbar wird. Wenn wir in der Welt, vor allem aber in Europa, zusammenwachsen wollen, wenn wir uns wirklich verständigen wollen, dann brauchen wir gute Übersetzungen von Literatur. Ich denke in diesen Tagen, da wir am Anfang der Erweiterung der Europäischen Union stehen, besonders an die neuen Mitglieder.

Gewiss, wir kennen in Deutschland einige polnische und tschechische Autoren - und wir wissen, dass ein Schriftsteller, Vaclav Havel, als erster demokratisch gewählter Präsident auf der Prager Burg residiert hat. An Begegnungen mit ihm denke ich übrigens besonders gern zurück. Ganz gewiss gibt es aber noch viel mehr zu entdecken, erst Recht aus Ländern wie Estland, Lettland und Litauen. Ich wünsche den Verlegern internationale Entdeckerfreude - und ich wünsche mir, dass Übersetzer vernünftige Arbeitsbedingungen haben und anständig bezahlt werden. In dieser Hinsicht hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, es kann und es sollte aber noch besser werden. In unserer globalisierten Welt, in der das gegenseitige Verständnis der Kulturen immer wichtiger wird, spielen Übersetzer eine ganz wichtige Rolle [...]"