Wahlprüfsteine

Antworten der CDU



I. Zur kulturellen Bedeutung von Literaturübersetzungen

1. Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach die literarische Übersetzung innerhalb der Kultur?

2. Welchen (auch finanziellen) Stellenwert sollte Ihrer Meinung nach die Förderung der Literaturübersetzer im Verhältnis zur Förderung von Theater, Oper oder zu Filmförderung haben?


Deutschland ist eine Kulturnation. Die kulturelle Vitalität und Attraktivität unseres Landes beruht auch auf dem Austausch mit anderen Völkern und Kulturen. Dabei kommt der Belletristik und dem Übersetzen eine besondere Bedeutung zu. Weltliteratur wird durch Übersetzungen erst ermöglicht. Deutschland hat eine reiche Tradition als Übersetzungsland.
Seit 1997 vergibt der der Deutsche Übersetzerfonds e.V. mit finanzieller Hilfe des Bundes Stipendien an Übersetzerinnen und Übersetzer. Der Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke gehört zu den Gründungsmitgliedern. 2009 wurden die Mittel für den Fonds um 50 000 Euro auf 350 000 Euro erhöht. Die CDU will diese Förderung künftig weiter ausbauen.
Im Bereich des Beauftragten für Kultur und Medien der Bundesregierung wurde darüber hinaus der deutsch-italienische Übersetzerpreis eingerichtet, der seit 2008 im jährlichen Wechsel in drei Kategorien an italienische und deutsche Übersetzungen aus der jeweils anderen Sprache vergeben wird.
Mit der kontinuierlichen Anhebung der Kulturausgaben auf Bundesebene haben wir dazu beigetragen, dass wichtige kulturpolitische Vorhaben verwirklicht werden konnten. Das wollen wir fortführen.


II. Literaturübersetzen als Beruf

[VdÜ: Nach den Statistiken der Künstlersozialkasse und den Erhebungen des Verbands der Literaturübersetzer (VdÜ) verdienen erfolgreiche, vollständig ausgelastete Literaturübersetzer brutto durchschnittlich 13.000 bis 14.000 € jährlich, ihr Nettoeinkommen liegt also an oder unter der Armutsgrenze.]


3. Was sollte die Politik Ihrer Meinung nach tun, damit erfolgreiche Literaturübersetzer wenigstens das durchschnittliche Einkommen eines Handwerkers erzielen können?

Das Urheberrecht muss im digitalen Zeitalter die Rechtsstellung von Urhebern sichern und so den zunehmenden Wert des geistigen Eigentums für Kreative Rechnung tragen. Die Entscheidungen des Bundesgerichtshofs zu Fragen der Honorierung übersetzerischer Tätigkeit sind zum 7. Oktober 2009 angekündigt. Nach Vorliegen der Urteilsbegründung werden wir die Situation prüfen. CDU und CSU setzen sich für einen fairen Ausgleich zwischen allen Beteiligten ein.


III. Weitere Entwicklung des Urheberrechts

[VdÜ: Im Stärkungsgesetz zum Urheberrecht von 2002 wurde die übliche Vergütung bei den Literaturübersetzern ausdrücklich als unangemessen bezeichnet. Seither ist es weder durch Verhandlungen mit Verlagen noch durch Klagen einzelner Übersetzer auf Vertragsanpassung zu einer Verbesserung ihrer Honorarsituation gekommen. Im Gegenteil, seit Verabschiedung des Stärkungsgesetzes Anfang 2002 stagnierten die Honorare und sind im Verhältnis zu Lebenshaltungskosten und zur allgemeinen Einkommenssituation weiter gesunken.]

4. Erwägen Sie für die nächste Legislaturperiode weitere gesetzgeberische Schritte, um den Literaturübersetzern (und anderen Urhebern) zu angemessenen Honoraren zu verhelfen?


Wir verweisen hierzu auf unsere Antworten zu Frage 3.


IV. Kulturflatrate

5. Kennen Sie die Fragen von Übersetzer- und Schriftstellerverband sowie Börsenverein zu einer diskutierten Kulturflatrate? (http://www.vs.verdi.de/aktuelles/pressemeldungen/kulturflatrate/data/PM_090723_Fragen) Wie stehen Sie zu einer solchen?

Die CDU will den finanziellen Wert kultureller und kreativer Leistungen stärker im gesellschaftlichen Bewusstsein verankern. Dazu trägt auch eine verstärkte und frühzeitige Medienerziehung bei.

Ein möglichst umfassender Zugang zur Kultur ist wichtig. Kulturgenuss ohne die Bereitschaft, das Werk von Künstlerinnen und Künstlern zu honorieren, führt jedoch letztlich zur kulturellen Verarmung unserer Gesellschaft. Eine Kultur-Flatrate entzieht den Künstlerinnen und Künstlern sowie den Rechteinhabern entscheidende Rechte an der Verbreitung und Veröffentlichung ihrer Werke und verhindert neue Verwertungsmöglichkeiten. Weiterhin erscheint die derzeit diskutierte Höhe der Pauschale den berechtigten finanziellen Interessen der Kreativen kaum angemessen. Eine Kultur-Flatrate ist darüber hinaus nicht geeignet, die Aushöhlung der Urheberrechte insbesondere im Internet einzudämmen und verhindert individuelle Leistungsanreize.