Grausamkeiten
Hamburger Übersetzerinnen berichten aus ihrer Werkstatt
Unter dem Motto „Grausamkeiten“ stellen Brigitte
Große, Annette Kopetzki und Friederike Meltendorf am
19.
April um 20 Uhr im Buchladen in der
Osterstraße in Hamburg-Eimsbüttel ihre neuesten Übersetzungen
vor. Brigitte Große berichtet über Amélie Nothombs
Roman „Reality Show“, Annette Kopetzki präsentiert
den italienischen Roman „Solange der Haifisch schläft“ von
Milena Agus, Friederike Meltendorf den russischen Roman „Apfel,
Huhn und Puschkin“ von Julia Belomlinskaja. Die drei Übersetzerinnen
sprechen über die speziellen Anforderungen und sprachlichen Herausforderungen
ihrer Originaltexte, präsentieren Ausschnitte aus ihren Werken und
beantworten Fragen aus dem Publikum. Moderation: Heinz Vrchota.
Organisation: Birgit Schmitz.
Eine Veranstaltung des Hamburger Übersetzertreffens, mit freundlicher Unterstützung der Hamburger Kulturbehörde und des Buchladens in der Osterstraße.
Datum: 19. April Ort:
Buchladen in der Osterstraße, Osterstraße 171
Zeit:
20:00 Uhr Eintritt:
5 Euro
Karten können telefonisch reserviert
werden. Telefon: 040 – 491 95 60
Zu den Teilnehmer/-innen und Büchern im Einzelnen:
BRIGITTE GROSSE
Amélie Nothomb, Reality Show (Diogenes
2007)
Der neue Roman von Amélie Nothomb hat ein heikles Thema: die Entmenschlichung durchs Fernsehen. Die Autorin erfindet eine Doku-Soap nach dem Muster der KZ; mit echter Folter, echten Hinrichtungen, über die die Zuschauer abstimmen dürfen. Alles im Dienste der Quote. Einen „Science-Fiction-Roman“ nannte ihn Frédéric Beigbeder, „eine Parabel über die Zukunft“. Aber eigentlich ist es ein Roman über die nicht enden wollende Vergangenheit, die in die Gegenwart hineinwächst, und die Gegenwart, der es nicht gelingt, die Barbarei abzuschütteln. Amélie Nothomb wurde als Tochter eines belgischen Diplomaten 1967 in Kobe, Japan, geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie an den wechselnden Einsatzorten ihres Vaters. Seit 1992 lebt sie als Schriftstellerin in Brüssel und Paris.
Brigitte Große stammt aus Wien. Studium der Philosophie und Musikwissenschaft, Psychologie und Soziologie. Lektorin, Korrektorin und Schlussredakteurin bei verschiedenen Verlagen. Seit 1996 freie Übersetzerin in Hamburg. Förderpreis für literarisches Übersetzen der Hansestadt Hamburg 1994, Hieronymus-Ring 1999. Übersetzerin u.a. von F. Beigbeder, Fatou Diome, G.-A. Goldschmidt.
ANNETTE KOPETZKI
Milena Agus, Solange
der Haifisch schläft (Klett-Cotta
2007)
Was für eine Familie! Mama flüchtet sich aus Angst vor dem Leben in die Schönheit von Himmelsansichten, Papa will als Entwicklungshelfer die Welt retten, der Bruder sucht die Perfektion in der Musik, die Tante verschleißt auf der Suche nach einem Ehemann unzählige Liebhaber, und die Tochter, die die Geschichte erzählt, flüchtet aus dieser Familie in die Arme eines verheirateten Sadomasochisten. Dennoch kämpfen sie alle tapfer gegen die Widrigkeiten des Lebens. Die Sarden seien ein wenig weltfremd und unangepasst, sagt Milena Agus. In ihrem erstaunlichen Debüt hat sie ihren Landsleuten ein ironisches Denkmal gesetzt. Ein Roman wie ein Tango, mit sehr traurigen und ansteckend heiteren Momenten, voller Vitalität, doch ganz frei von Pathos.
Annette Kopetzki studierte Germanistik und Philosophie in Hamburg und promovierte über Probleme der literarischen Übersetzung. Sie übersetzt seit vielen Jahren italienische Literatur, Lyrik und Essayistik, u. a. Pasolini, Bobbio, Balestrini, Pariani, De Luca, Bonaviri, Baricco.
FRIEDERIKE MELTENDORF
Julia Belomlinskaja, Apfel, Huhn und Puschkin (Matthes & Seitz
2007)
Apfel, Huhn und Puschkin ist ein frecher, politisch unkorrekter Roman über das Leben als russisch-jüdische Emigrantin in New York, die Jagd nach Liebhabern, über Kunst, Sex und kein Geld, über die Fremde und die Heimat. Das mündet in eine „angewandte, bzw. direkt umsetzbare Philosophie, verpackt in die intimen Erlebnisse einer jungen Frau“, die den amerikanischen Traum suchte und schließlich doch nach St. Petersburg zurückkehrte – wo alle von Äpfeln, Hühnern und Puschkin träumen. Julia Belomlinskaja wurde in St. Petersburg geboren, emigrierte Ende der 80erJahre für 20 Jahre nach New York, lebt heute jedoch wieder in ihrer Heimatstadt.
Friederike Meltendorf hat in Berlin und Moskau studiert und ist Diplom-Übersetzerin für Russisch und Englisch. Sie verbrachte in den 90er Jahren viel Zeit in St. Petersburg und hält sich auch heute noch immer sehr gerne dort auf. Friederike Meltendorf übersetzt Romane, Sachtexte und Theaterstücke, u.a von Natasha Radojcic, Ian Buruma und Ralf Dahrendorf.
HEINZ VRCHOTA
wird die Veranstaltung moderieren. Er hat in Österreich und Deutschland Germanistik und Geschichte studiert. Beruflich war er bisher tätig als Übersetzer amerikanischer Belletristik, Lektor und Zeitschriften-Redakteur.
___
Veranstaltungshinweis mit einem Interview mit Brigitte Große in der Taz Nord vom 18.04.2007.