Schildkäfer und Buntschatten.
Japanisch-deutsche Sprachabenteuer beim Übersetzen von
Ôe Kenzaburô und Axel Brauns

Mit Shoko Asai und Nora Bierich

Moderation: Martina Kempter

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne, gefördert durch die Robert Bosch Stiftung

Donnerstag, 7. Mai 2009, 20:00
Literaturwerkstatt, Kulturbrauerei Haus 8.0, Knaakstr. 97, 10435 Berlin

Eintritt € 5, erm. € 3

Fremde Wesen, Schildkäfer und Buntschatten, gehorchen eigenen, fremden Regeln. Wie fremde Sprachen, wie das Japanische oder das Deutsche. Bewegt man sich in der Sprache, muss man ihre Regeln befolgen, oder man kann sie verletzen.
Andere Schreib- und Erzählstile, andere literarische Traditionen, andere Erfahrungswelten: Der Weg, der die beiden Sprachen trennt und verbindet, ist weit. Für Übersetzer, die ihn beschreiten, hält er Abenteuer bereit, interpretatorische Hürden und sprachschöpferische Herausforderungen – wie in den Romanen von Axel Brauns und Ôe Kenzaburô.


Bücher und Übersetzerinnen:

Axel Brauns, Buntschatten und Fledermäuse (Hoffmann und Campe 2002; in Japan 2005 unter dem Titel Azayakana kage to koumori), erzählt von der Kindheit und Jugend eines Autisten, von dessen Leben in einer anderen Welt. Wie er diese an sinnlichen Wahrnehmungen überreiche, nach außen jedoch abgeschlossene und zunächst nicht kommunizierbare Welt beschreibt, wie er aus der Abgetrenntheit heraus- und Zugang zur sogenannten normalen Welt findet, wie deren sinnlose Geräusche für ihn „Klang und Bedeutung“ gewinnen und deren „Nebel“ sich lichtet, das ist eine Art Sprachwunder, bewegend durch seine Poesie und seinen Humor. „Wenige nichtautistische Menschen können so sensibel, wie Axel Brauns heute, mit der Sprache umgehen. Und zugleich gibt es wenige Dokumente, die so authentisch die Welt eines Autisten zeigen.“, schrieb in der Süddeutschen Zeitung vom 18.06.2002 der Rezensent Martin Urban.

Ôe Kenzaburô, Tagame. Berlin - Tokyo (S. Fischer Verlag 2005)

In dem autobiographisch angelegten Roman spürt Ôe seiner Freundschaft zu seinem langjährigen Freund und Schwager Itami Jûzô nach, dem auch im Ausland berühmten Filmregisseur, der sich 1997 aus ungeklärten Gründen das Leben nahm.
In dem Roman, der in Teilen während Ôes Aufenthalt am Berliner Wissenschaftskolleg 1999 entstand, folgt der Protagonist Kogito den Spuren des Filmregisseurs Gorô nach Berlin. Mit einem Kassettenrekorder -- dem so genannten Schildkäfer oder Tagame – versucht er in ein fiktives Gespräch mit seinem toten Freund zu kommen und die gemeinsame Geschichte aufzurollen. Zu dieser gehört auch ein traumatisches Erlebnis in ihrer Jugend, Mitursache vielleicht des späteren Selbstmords.

Shoko Asai hat in Kyoto Germanistik und Philosophie studiert. Seit 1998 lebt sie in Berlin und übersetzt deutsche Gegenwartsliteratur (Axel Brauns, Thomas Brussig, Uwe Timm, Juli Zeh u.a.) ins Japanische. 2003 würde sie für ihre Übersetzung von Brussigs Am kürzeren Ende der Sonnenallee mit der Max-Dauthendey-Feder, dem Übersetzungspreis des Goethe-Instituts in Tokyo, ausgezeichnet.