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VdÜ – Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e. V.
Bundessparte Übersetzer des Verbands deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di


EINLADUNG
ZUM
WOLFENBÜTTELER GESPRÄCH
JAHRESTAGUNG DER LITERATURÜBERSETZER

vom 16. bis 18. September 2005 Eine Veranstaltung des VdÜ mit finanzieller Unterstützung von
ver.di, Deutscher Übersetzerfonds e. V. und Kulturwerk deutscher Schriftsteller e. V.

Konzept und Organisation: Thomas Gunkel, Gertraude Krueger, Kristian Lutze, Nathalie Mälzer-Semlinger, Susanna Mende, Claudia Steinitz

PROGRAMM DES WOLFENBÜTTELER GESPRÄCHS 2005

Freitag, 16. September

 

ab 13:00 Empfang und Anmeldung
  Ort: Kommisse
15:30 Begrüßung und Eröffnung der Tagung: Gerlinde Schermer-Rauwolf
  Ort: Kommisse
anschließend Übersetzerverbände stellen sich vor
  Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ)
Barbara Böer Alves, BDÜ
  Assoziierte Dolmetscher und Übersetzer in Norddeutschland e.V. (ADÜ Nord)
Frank Petzold, Erster Vorsitzender
Anke Lutz, Zweite Vorsitzende
16:30 Vortrag Alexander Geyken
Das Projekt DWDS: Auf dem Weg zu einem Digitalen Wörterbuch des 20./21. Jahrhunderts
Es gibt kein Wörterbuch der deutschen Sprache, das den Wortschatz des 20./21. Jahrhunderts befriedigend darstellt. Im Vergleich mit den Kultursprachen Französisch und Englisch wird dieses Defizit besonders deutlich. Das DWDS will diesen Zustand mit Hilfe der neuen Datentechnik schrittweise überwinden. Bereits in der jetzigen Projektphase bieten die bislang erstellten Ressourcen die Basis für zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten, insbesondere als Übersetzungshilfe.
Ein ergänzender Workshop behandelt praktische Aspekte dieser Nutzung.
18:00 Gemeinsames Abendessen
Ort: Karstadt-Restaurant
20:00 Lesefest
  Liebe, Geld, Verbrechen (öffentliche Veranstaltung)
Orte: Kommisse, Rathaus, Schünemannsche Mühle
 

Aufruf zum Mitmachen
Alle Teilnehmer/-innen sind eingeladen, Vorschläge für das Lesefest
einzureichen! Aus diesen Vorschlägen soll dann ein möglichst facettenreiches
Programm zusammengestellt werden. Es ist eine schöne Gelegenheit, sich mit
einem übersetzten Werk den Kolleginnen und Kollegen wie auch einer breiteren
Öffentlichkeit vorzustellen.
Wer eine geeignete Übersetzung – egal, aus welcher Sprache – hat, in der es
um Liebe, Geld und / oder Verbrechen geht, melde sich bitte mit Synopse und
Textauszug per E-Mail oder Post bei Susanna Mende: info@susanna-mende.de
oder Thomas Gunkel: thgunkel@t-online.de; Postadressen im
Übersetzerverzeichnis.
Bitte spätestens bis 15. Juli!

 



Samstag, 17. September

 

9:30 - 12:30
Workshops A-1 bis A-8
A-1   Casey at the Bat: Baseball für Buchmenschen mit Christian Sengeleitner
A-2   Italienisch: Erzählen im Plusquamperfekt? mit Burkhart Kroeber
A-3 Das Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache mit Alexander Geyken
A-4 Masken der Mündlichkeit mit Eveline Passet
A-5 Kinder- und Jugendliteratur mit Tobias Scheffel
B-1 Arabisch mit Hartmut Fähndrich
A-7   Kreatives Schreiben mit Teresa Junek
A-8 Das Manuskript im Lektorat mit Helga Resch

  Mittagspause
14:00 Gymnastik mit Margarete Längsfeld
Ort: Theaterdach in der Schünemannschen Mühle
14:00 Führung durch die Herzog-August-BibliothekTreffpunkt: vor dem Bibliothekseingang
Anmeldung erforderlich!

15:30 - 18:30
Workshops B-1 bis B-8
A-6   Wir Untertitler mit Angela Tschorsnig
B-2 Himmel, Arsch und Zwirn! Schimpfen und Fluchen mit Svenja Becker
B-3 Die spinnen, die Römer! Comics übersetzen mit Gudrun Penndorf
B-4 Tourette für Übersetzer: Wortspiele etc. mit Michael Zöllner
B-5 Am Tatort mit Kriminalkommissarin Manuela Brandt
B-6 Übersetzung von Sachbüchern mit Holger Fock
B-7 Netzwelten für Übersetzer mit Jochen Schwarzer
B-8 Zum Umgang mit Kritik mit Helga Pfetsch

20:00

Gemeinsames Abendessen und Party
Tanz mit DJ in der KuBa-Halle

 


Sonntag, 18. September

 

10:00 Die Autorin trifft ihre Übersetzerinnen (öffentliche Veranstaltung)
Jenny Erpenbeck im Gespräch mit Ulrika Wallenström (Schweden) und
Renata Makarska (Polen) über ihren Roman „Wörterbuch“.
Es moderiert Maike Albath.
Ort: Lessingtheater
13:00 Gemeinsames Mittagessen
Ort: Kommisse

 

Ende der Tagung

 


DIE WORKSHOPS

A-1  Casey at the Bat: Baseball für Buchmenschen mit Christian Sengeleitner
Der amerikanische Nationalsport Nr. 1 erscheint Außenstehenden zunächst verwirrend. Dabei wird die Kenntnis des Spiels und seiner Regeln, der Stadien und Teams, der Major Leagues, World Series und was sonst noch alles dazu gehört von amerikanischen Autoren als selbstverständlich vorausgesetzt. Ja, viele Baseball-Ausdrücke sind als Metaphern in die amerikanische Sprache eingegangen und ohne den Hintergrund des Spiels nicht zu verstehen und schon gar nicht zu übersetzen.
Baseball-Fan Christian Sengeleitner führt uns mit moderierender Unterstützung von Thomas Gunkel und anhand anschaulicher Beispiele in die Geheimnisse und Hintergründe dieses Spiels ein.
Für maximal 30 Teilnehmer.
Christian Sengeleitner im 20. Jahr Baseball-Fan. 36 Jahre alt, wohnhaft in Berlin und dort in der Arbeitsverwaltung tätig. Sportliche Karrierehöhepunkt: Berliner Baseballmeister 1990 mit den Berlin Beagles. Seit 1992 Bundesliga-Schiedsrichter (Umpire), dazu verschiedene Funktionen in Landes- und Bundesverband.


A-2  Italienisch: Erzählen im Plusquamperfekt? mit Burkhart Kroeber
Seit einiger Zeit scheint das traditionelle System der Erzähltempora im Italienischen aus den Fugen geraten zu sein: Immer öfter wird – statt im klassischen Wechsel von Imperfekt und passato remoto – scheinbar wild durcheinander und je nach Laune des Autors mal im Präsens, mal im Perfekt oder sogar über längere Strecken im Plusquamperfekt erzählt, ohne daß es sich dabei um echte Vorzeitigkeit im Sinne der consecutio temporum handelt. Was steckt dahinter und wie verhalten wir uns dazu beim Über-setzen ins Deutsche? Diese Fragen möchte ich anhand ausgewählter Texte ins Zentrum unseres Italienisch-Workshops stellen.
Einige Beispiele habe ich selber gesammelt, andere erhoffe ich mir von den Teilnehmern. Wer etwas Präsentables hat, möge es rechtzeitig an mich schicken (spätestens bis Ende Juli): burkhart.kroeber@t-online.de . Ich wähle dann die interessantesten Fälle aus und schicke sie 14 Tage vorher per E-Mail an alle Interessierten.
Für maximal 25 Übersetzer aus dem Italienischen.
Burkhart Kroeber übersetzt seit über 30 Jahren vorwiegend aus dem Italienischen (aber auch aus dem Englischen und Französischen) Fiction und Nonfiction unterschiedlicher Art, namentlich von Umberto Eco und Italo Calvino.


A-3  Digital zum Ziel mit Hilfe elektronischer Textcorpora mit Alexander Geyken
Wie kann man gewährleisten, daß die gewählte Übersetzung auch tatsächlich authentisch in der Zielsprache ist? Hier helfen Wörterbücher oft nicht weiter. Ideal wäre die Möglichkeit, selber in den Quellen zu recherchieren, ob beispielsweise das Wort 'Pullover' schon in einem Roman der Dreißiger Jahre des 20. Jh. geläufig war, oder mit welchem Subjekt bzw. präpositionalem Objekt man das Verb 'antichambrieren' im Normalfall verwendet.
Im Zuge der massiven Digitalisierung sind mittlerweile genügend Texte elektronisch verfügbar, um sinnvolle Antworten auf viele solcher Fragen zu geben. Doch sind sie nur selten so gut aufbereitet und abfragbar, daß diese Fragen in der vorgegebenen - meist sehr kurzen – Zeit beantwortet werden können.
Am Beispiel des im deutschen Sprachraum einzigartigen Textcorpus der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften soll gezeigt werden, wie sich mit Hilfe elektronischer Textcorpora die Übersetzungsqualität in der täglichen Arbeit verbessern läßt. In dem Workshop werden Aufbauprinzipien von Textcorpora besprochen sowie anhand von praktischen Beispielen im Internet die Suchmöglichkeiten demonstriert. Beispiele von Teilnehmern sind erwünscht; bitte bis Ende Juli schicken an geyken@bbaw.de
Für max. 25-30 Übersetzer mit Deutsch als Zielsprache.
Alexander Geyken arbeitet als Computerlinguist seit 1998 an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften im Projekt "Digitales Wörterbuch" und hat dort den Aufbau eines großen ausgewogenen Corpus der deutschen Sprache geleitet (www.dwds.de)


A-4  Masken der Mündlichkeit mit Eveline Passet
Geschriebene Mündlichkeit unterscheidet sich von tatsächlich gesprochener Sprache, doch wie weit sind beide zwangsläufig auseinander, was fehlt der einen, was die andere hat? Oder sind beide womöglich gar nicht so hermetisch geschieden – immerhin gibt es Belletristik auf der Grundlage von Tonbandprotokollen, immerhin gibt es Autoren, die den bewußten grammatischen Fehltritt nicht scheuen.
Anhand eines mit Mikrophon aufgezeichneten und wortgenau zu Papier gebrachten Interviews, das zur Bearbeitung („Literarisierung“) vorab verschickt wird, möchte ich diese Frage mit euch diskutieren - und so Spuren entdecken, wo und wie wir in der Sprechsprache Inspirationsquellen finden können.
Für maximal 20 Übersetzer aus allen Sprachen.
Eveline Passet ist Autorin von Literatur- und künstlerischen Features für den Rundfunk. Als Literaturübersetzerin (Russisch, Französisch) bringt sie Prosawerke aus dem 19. und 20. Jh. ins Deutsche, darunter alle Romane von Daniel Pennac. 2003 realisierte sie zusammen mit vier weiteren KollegInnen „Spurwechsel. Ein Film vom Übersetzen“.


A-5  Kinder- und Jugendliteratur mit Tobias Scheffel
Gelten beim Übersetzen von Kinder- und Jugendliteratur wirklich andere Kriterien als bei Belletristik oder Sachbüchern für Er-wachsene? In dem Workshop wollen wir uns auf einer konkreten Ebene mit zwei oder drei Passagen aus französischen Kinder- oder Jugendbüchern beschäftigen sowie uns auf einer abstrakten den Besonderheiten dieser Gattung annähern und uns über Schwierig-keiten und Möglichkeiten beim Übersetzen von Texten für Kinder austauschen.
Die Vorbereitung sollte zum einen darin bestehen, nach Möglichkeit (bitte bis späte-stens 15. August) für die gemeinsame Textarbeit Beispiele aus der eigenen Praxis einzureichen, die unter der Fragestellung „Was ist das Kinderliteraturspezifische daran?“ in stilistischer oder sonstiger Hinsicht interessant sein können, zum anderen, sich auf die eigenen Erfahrungen mit solchen Texten zu besinnen und Probleme und mögliche Lösungen zu sammeln.
Für maximal 20 Übersetzer (und gerne auch Lekto-ren/Lektorinnen) vor allem aus dem Französischen.
Tobias Scheffel übersetzt seit 1992 aus dem Französischen: Belletristik, Sachbücher, Kinder- und Jugendbücher (letztere u. a. von Catherine Clément, Marie-Aude Murail und Anaïs Vaugelade)


A-6  Wir Untertitler mit Angela Tschorsnig
Wie arbeiten Untertitler? Wo arbeiten sie? Inhalt des Workshops ist ein Erfahrungsaustausch unter Kolleginnen und Kollegen anhand relevanter Aspekte des Untertitelns wie: fachliche Aufgabenstellung, Ausbildung und Befähigung, Arbeitsplatz, Arbeitsort, Aufträge, Abrechnung, Preise, Auftraggeber, Markt usw. Und vor allem: Wer sind wir Kolleginnen und Kollegen? Wie stehen wir zu- und untereinander und wo gehören wir hin?
Ein sprachenübergreifender Workshop für ca. 25 UntertitlerInnen.
Angela Tschorsnig, Übersetzerin aus dem Französischen und Arabischen, gewissenhafte Erledigung von Fachübersetzungen, parallel dazu aus Liebe – und doch ganz selten rein um Gotteslohn – Arbeit in Literatur (Übersetzerin u. a. von Driss Chraibi, Hanna Mina, Hannan Al-Scheich, Akram Musallam) und Film (Untertitel, Drehbuch).


A-7  Kreatives Schreiben für Literaturübersetzer mit Teresa Junek
Insbesondere wenn wir Stroh zu Gold spinnen, aber auch beim Schreiben von Gutachten hilft das Wissen um das grundlegende Handwerkszeug des Autors. Es ermöglicht uns, einen Schritt vom Text zurückzutreten und zu beurteilen, was dem Autor gelungen ist und wo – im Rahmen der Möglichkeiten von uns Übersetzern – die Feile angesetzt werden darf. Einige Stichwörter hierzu sind: Struktur, Spannungsbogen und -techniken, szenisches Schreiben, Charakterisierung und Entwicklung der Protagonisten. Und besonders wichtig: Die Perspektive sowie die Frage: Wie wird ein Text durch die richtige Wortwahl sinnlich und dynamisch?
Anhand von deutschen Texten untersuchen wir mögliche Fehlerquellen. Wer tiefer einsteigen will, erhält einen kurzen Überblick über empfehlenswerte Informationen in Buchform und im Internet. Außerdem können Fragen gestellt werden.
Für bis zu 30 Übersetzer aus allen Sprachen.
Teresa Junek übersetzt seit zwanzig Jahren, überwiegend "Stroh" (Unterhaltungs- und Genreliteratur). 2001 Ausbildung zur Dozentin am Institut für Kreatives Schreiben in Berlin; seither regelmäßig Kursleiterin bei verschiedenen Volkshochschulen. Schreibt aus Spaß und zur Aufbesserung ihres Einkommens Heftromane.


A-8  Die hat doch keine Ahnung! – Was machen Lektorinnen und Lektoren eigentlich mit unseren Manuskripten? mit Helga Resch

Da hat man mühevoll an einem Satz gefeilt, um auch wirklich alle Aspekte im Deutschen unterzubringen, ist stolz auf einen Neologismus oder ein Wortspiel – und gerade das wird erbarmungslos weggestrichen. Wie kommen Lektorinnen und Lektoren eigentlich dazu, was machen sie da und auf welcher Grundlage? Warum streiten sie für Alternativen (selbst wenn sie die Ursprungssprache nicht sprechen), erfinden blödsinnige Titel, schreiben hanebüchene Klappentexte und teilen nicht mit, wenn sich ein Erscheinungstermin verschoben hat?
Der Workshop soll Einblicke in die Arbeit geben und aus Lektoratssicht beschreiben, wie aus der Auseinandersetzung zwischen Lektorat und Übersetzer/in so etwas wie Teamarbeit entstehen kann.
Ein Pendant zur AG des letzten Jahres „Vom Umgang mit Lektoren“ mit Beispieltexten, Standardsituationen und ein paar Wünschen.
Für maximal 30 Übersetzer aus allen Sprachen.
Helga Resch ist Lektorin für ausländische Literatur im Verlag Kiepenheuer & Witsch in Köln.


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B-1  Arabisch: jahrhundertealte Zitate (Sprache) in zeitgenössischer Literatur mit Hartmut Fähndrich
Plötzlich steht da in einem zeitgenössischen arabischen Prosatext ein (mitunter gar langes) Zitat eines Dichters aus dem 9. oder eines Chronisten aus dem 10. Jahrhundert – in Originalsprache und dem gebildeten Araber entweder sowieso bekannt oder doch verständlich, trotz des etwas besonderen sprachlichen Klangs.
Was tun mit einem solchen sprachlichen „Fremdkörper“, der so fremd eben doch nicht ist? (Alt- oder Mittelhoch)Deutschversionen verbieten sich. Was hilft also, um das (sprachliche) Verhältnis zwischen dem modernen Text und dem alten Zitat zumindest anzudeuten?
Alle, die zeitgenössische arabische Literatur übersetzen, sehen sich früher oder später einmal mit diesem Problem konfrontiert, und selbst wenn es von einem zitierten Text zufällig(?) eine deutsche Übersetzung geben sollte, ist sie im allgemeinen nicht verwendbar, da sie das Stilverhältnis zur zeitgenössischen Schriftsprache nicht deutlich macht.
Von TeilnehmerInnen an diesem Workshop erbitte ich (sofern vorhanden) Textbeispiele zum Problem, die dann im voraus an die ganze Gruppe verschickt werden, damit wir unser Thema nicht nur theoretisch erörtern, sondern auch praktisch behandeln können.
Hartmut Fähndrich, Lehrbeauftragter für Arabisch (Sprache, Geschichte, Kultur) an der ETH Zürich ist seit zweieinhalb Jahrzehnten mit der Übersetzung zeitgenössischer arabischer Literatur beschäftigt. (www.hartmutfaehndrich.ch)

 

B-2  Himmel, Arsch und Zwirn! mit Svenja Becker
Ob im Unterhaltungsroman, in der hohen Literatur, im Kino oder auf der Bühne, überall begegnen sie uns, die keifenden, zeternden, schimpfenden, fluchenden Protagonisten und ihre in der deftigen Sprache schwelgenden Autoren. Da wird kein gutes Haar an Gott gelassen, werden Mitmenschen mit allerlei Tieren oder mit der Größe ihres Geschlechtsorgans gleichgesetzt, sexueller Handlungen mit Angehörigen bezichtigt oder zu selbigen mit sich selbst aufgefordert. Wie in kaum einem anderen Sprachbereich treten beim Fluchen und Schimpfen kulturelle Unterschiede zutage, und unsere Phantasie und Kreativität sind gefragt, soll diese Vielfalt nicht unter Fäkalien begraben werden.
In dem Workshop wollen wir uns gelungene und weniger gelungene Beispiele der Übertragung kräftiger Sprache ansehen, über Kniffliges aus den Nestern von Rohrspatzen aller Zungen grübeln und kein Blatt vor den Mund nehmen.
Für maximal 15 Übersetzer/innen aus dem Spanischen und allen anderen Sprachen, in denen man gerne vom Leder zieht.
Svenja Becker, Jahrgang 1967, übersetzt seit sechs Jahren Literatur aus dem Spanischen, u. a. Isabel Allende und Fernando Vallejo.

 

B-3  Die spinnen, die Römer! mit Gudrun Penndorf
Erst mit dem Erscheinen der franco-belgischen Comics, aber auch im Umfeld der 68er Generation gelang es dieser Textsorte, in Deutschland zur literarischen Gattung zu avancieren. In diesem Workshop werden ausgewählte Stellen aus verschiedenen Quellen gemeinsam bearbeitet, die zuvor an die TN verschickt werden.
Wortspieltypen, landeskundliche Anspielungen, Namen, Lieder, Gedichte, Reime gilt es zu erkennen und neu zu fassen. Kreativität ist gefragt, fast alles ist erlaubt, nur keine wörtliche Übersetzung solcher Stellen. Was tun, wenn sich kein Äquivalent anbietet? Auch sollte auf eine eher klassische Sprechsprache geachtet werden. Und schließlich darf man auch nicht aus dem Rahmen fallen, will sagen der Text muß in die vorgegebene Sprechblase passen! Diese und andere Schwierigkeiten bei der “Um- und Übersetzung” von Comics möchte ich aufzeigen.
Ein Workshop für bis zu 20 des Französischen mächtigen Teilnehmer und Teilnehmerinnen.
Gudrun Penndorf hat ab 1967 bis in die 90er Jahre 29 der bisher erschienenen Asterix-Bände, über 60 Lucky Luke-Bände, sowie die Isnogud-Comics aus dem Französischen übersetzt, daneben etwa 130 Disney – Lustige Taschenbücher aus dem Italienischen.

 

B-4  Tourette für Übersetzer – Wortspiele, Neologismen und Lautmalereien in literarischen Texten mit Michael Zöllner
In diesem Workshop sollen die Mittel untersucht werden, die zur Verfügung stehen, die Kittel, die mit Vergnügen spähen, die Knüttel, die zum Verprügeln gehen, um in einer literarischen Übersetzung Annäherungen an nicht direkt übersetzbare Sprachspiele zu finden. Dabei wird anhand der Romanfigur Lionel Essrog, Lügnie Freßtrog, aus Jonathan Lethems Roman Motherless Brooklyn die neurologische Störung Tourette-Syndrom als beispielhafte Poesiemaschine vorgeführt, die oft in überraschender Analogie zu Lewis Carrolls Sprachwitz steht.
Für maximal 20 ÜbersetzerInnen aus dem Englischen. Die Teilnehmer können (und sollen) eigene Beispiele mitbringen.
Michael Zöllner, geb. 1969, übersetzte neben vier Romanen von Jonathan Lethem, zuletzt DIE FESTUNG DER EINSAMKEIT DER EINSAMKEIT, u. a. auch Lewis Carrolls SPIEL DER LOGIK. Er lebt und arbeitet als Verleger des Tropen Verlags in Berlin.

 

B-5  Am Tatort mit Kriminalkommissarin Manuela Brandt
Die Szene ist bekannt: Ein Verbrechen ist geschehen, die Experten der Polizei treffen am Tatort ein, und die „Spurensicherung“ beginnt. Wer sind diese Experten? Mit welchen Mitteln und Methoden arbeiten sie? Was geschieht weiter mit den so gesicherten „Spuren“?
Und wie wird das alles korrekt bezeichnet?
Eine Expertin der Mordkommission gibt Einblick in ihre Arbeit und deren Hintergründe.
Mit Anschauungsmaterial!
Bitte einschlägige Fragen zum Workshop mitbringen.
Für maximal 30 Übersetzende aus allen Sprachen.
Kriminalkommissarin Manuela Brandt arbeitet als Tatortbeamtin bei der 2. Mordkommission des Landeskriminalamtes Berlin.

 

B-6  Sachgerecht übersetzen – Die Übersetzung von Sachbüchern als Spezialfall des literarischen Übersetzens mit Holger Fock
Ob wissenschaftliche Biographie oder hübsches „Coffee table book“, die Arbeitshypothese für diesen Workshop lautet: Das Übersetzen von Sachbüchern unterscheidet sich nicht grundlegend vom Übersetzen belletristischer Texte. Die textbezogenen Schwierigkeiten sind im Prinzip dieselben, mit einigen haben wir es bei Sachbüchern allerdings viel häufiger zu tun: Metaphorische Sprache, verschlungener Satzbau, unlogische Sätze, Gemeinplätze, diffuse Vieldeutigkeit, Redundanzen, Zitate, Überprüfen der „facts“ etc.
Im Workshop wollen wir solche „sachbuchtypischen“ Übersetzungsprobleme systematisieren und allgemeine Lösungsansätze erarbeiten. Nicht theoretisch, sondern anhand konkreter Beispiele: Der Schwerpunkt des Workshops liegt auf der Textarbeit. Dazu sollte jede/r Teilnehmer/in vorab (bis Ende August) eine Passage (max. 5 bis 10 Zeilen, Original + Übersetzung) mit ein oder zwei typischen Problemen einsenden, dazu eine kurze Erläuterung, welcher Art das/die Problem/e bei der Übersetzung war/en.
Ziele des Workshops sind, neben dem Erfahrungsaustausch, die Vertiefung des Problembewußtseins und das Aufzeigen von Wegen zu schnelleren und besseren Lösungen.
Für maximal 30 Übersetzende aus allen Sprachen.
Holger Fock übersetzt seit mehr als zwanzig Jahren Belletristik und Sachbücher aus dem Französischen.

 

B-7  Netzwelten für Übersetzer - Das Internet jenseits von Google mit Jochen Schwarzer
Wie finde ich im Netz gezielt und schnell genau das, wonach ich suche? Wie schätze ich die Zuverlässigkeit der gefundenen Informationen ein? Wie recherchiere ich Zitate und Realien? Und wo sind im WWW die kleinen finnischen Clubs, in denen die wahren Softwarewunder rocken?
Eine gemeinsame Perlenlese für ca. 15 Internetinteressierte. Sachdienliche Beiträge aus dem Teilnehmerkreis sind herzlich willkommen. Ein Rechner, ein Beamer und ein schneller Internetzugang werden gestellt.
Jochen Schwarzer, 37, übersetzt vornehmlich US-Literatur, online seit 1993.

 

B-8  Zum Umgang mit Kritik und Verrissen mit Helga Pfetsch
Kritik an dem, was wir mit Sorgfalt, mit Zeit- und Energieaufwand, vielleicht sogar mit Herzblut übersetzt haben, trifft uns wie ein Angriff auf unsere Person. Wir fürchten, der Verriß wird sich auf ewige Zeit mit unserem Namen verknüpfen, die Öffentlichkeit und die Verlage werden uns für unfähig halten, kein Auftrag wird mehr eingehen. Und dabei war der Kritiker doch unfair, hat nicht genau hingeschaut, nicht nachgefragt, nicht bedacht...
Ziel dieses Workshops ist es, die Kritik an unsrer Arbeit ohne die schmerzlichen Gefühlsstürme betrachten zu lernen, Strategien zu entwickeln, wie wir mit unfairer Kritik umgehen können, und vielleicht sogar einen für uns nützlichen goldenen Kern aus der Kritik herauszuschälen.
Ein Workshop für 18 Teilnehmer/innen
Helga Pfetsch übersetzt aus dem Englischen, ist in ihrem zweiten Beruf Trainerin und Beraterin und hat selbst schon den einen oder anderen Verriß einstecken müssen.

 

W I S S E N S W E R T E S

Anmeldung
Bitte melden Sie sich – wenn möglich per E-Mail – bei Claudia Steinitz an.
Das Anmeldeformular nebst Erläuterungen steht ab dem 1. Juli 2005 zum Download auf unserer Homepage. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, sich postalisch anzumelden. Zu diesem Zweck schicken Sie bitte das ausgefüllte Anmeldungsformular (S. 9) an Claudia Steinitz, Schivelbeiner Str. 3, 10439 Berlin. Bitte tragen Sie bei der Anmeldung unbedingt die Nummern der Workshops ein, an denen Sie teilnehmen möchten (für den Vormittag zwei Präferenzen aus A1-8, für den Nachmittag zwei Präferenzen aus B1-8). Die Workshopleiter informieren Sie rechtzeitig, an welchem Workshop Sie teilnehmen können.

Anmeldeschluß ist der 30. Juli 2005.
Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, können wir auch bei Anmeldungen, die vor dem Anmeldeschluß eingehen, die Teilnahme nicht garantieren. Aus diesem Grund bitte bei der Anmeldung die Kontonummer mit angeben.

Tagungsgebühr
Der Preis für die Teilnahme am Tagungsprogramm inklusive 2 x Abendessen und 1 x Mittagessen (s. Programm) beträgt für Mitglieder und Kandidaten von Bundessparte Übersetzer, VdÜ, VS, ver.di
oder Österreichischer Übersetzergemeinschaft 50 € und für Nichtmitglieder: 100 €

Stornogebühren
Ab dem 15. August 2005 wird eine Stornogebühr von 50%, ab dem 30. August 2005 von 100% des Teilnehmerbeitrages erhoben, sofern die Plätze nicht anderweitig vergeben werden können.

Hotelreservierung
Die Hotelreservierung erfolgt individuell durch die Teilnehmer nach Erhalt der Teilnahmebestätigung. Eine Liste der Hotels ist beigefügt. Bitte geben Sie bei der Reservierung das Kennwort „VdÜ“ an.

Anreise
Per Bahn: über Braunschweig nach Wolfenbüttel
Per Auto: Vom Norden, Westen und Osten über BAB A 2/A 391 (Kreuz Braunschweig-Nord), A 391/A 39 (Dreieck Braunschweig-Südwest), A 39/A 395 (Kreuz Braunschweig-Süd) und A 395.
Vom Süden und Westen über BAB A 7/A 39 (Dreieck Salzgitter), A 39, Abfahrt 18 (Salzgitter-Watenstedt) in östliche Richtung auf der Schnellstraße (L 495) nach Wolfenbüttel.
Von Südosten über Bundesstraße B 79.

Empfang
Am Freitag, den 16. September können Sie sich ab 13:00 Uhr in der Kommisse im Stadtzentrum von Wolfenbüttel, Kommissstraße 5 anmelden. Am Samstag steht von 11:00 bis 14:00 das Stadtmarketingbüro am Stadtmarkt 7 für Informationen bereit.

Bibliotheksführung
An der für den 17. September 14:00 vorgesehenen Führung können maximal 30 Personen teilnehmen. Geben Sie Ihren Teilnahmewunsch bitte bei der Anmeldung an.

UNTERKÜNFTE
Für die Unterbringung haben wir in einer Reihe von Hotels kostengünstige Kontingente reserviert, die Sie unter dem Stichwort VdÜ buchen können. Die Liste finden Sie im Anhang der Anmeldung, die Sie als Word- oder PDF-Datei herunterladen können (siehe Kopf der Seite).

AM SONNTAG, DEN 18. SEPTEMBER FINDEN VORAUSSICHTLICH BUNDESTAGSWAHLEN STATT!

BITTE BRIEFWAHL BEANTRAGEN!