PROGRAMM DES 3. WOLFENBÜTTELER GESPRÄCHS
2006
| Freitag, 15. September
|
| ab 13:00 |
Empfang und Anmeldung |
| |
Ort: Kommisse |
| 15:00 |
Begrüßung und Eröffnung der Tagung:
Gerlinde Schermer-Rauwolf, 1. Vorsitzende des VdÜ
Grußworte |
| |
Ort: Kommisse |
| 15:30-17:30 |
Narrenfreiheit – Narrenschellen
Zur „Übersetzung“ von Arno Schmidt
Bernd Rauschenbach und John E. Woods |
| 18:00 |
Gemeinsames Abendessen
Ort: Karstadt-Restaurant |
| 20:00 |
Lesefest |
| |
Ort: Schünemannsche Mühle |
| |
Lesefest – Einladung zum Mitmachen!
Vier Räume – zwei Formen - ein Ort lautet
das Motto des diesjährigen Lesefests
I. Mühlenfoyer: Neuübersetzungen
In den vergangenen Jahren gab es jede Menge interessanter
Neu-Übersetzungen. Wir wollen drei bis vier davon
vorstellen - ergänzt durch eine „kontrastive“
Lesung aus den alten Übersetzungen.
II. Theaterdach: Übersetzer aus Osteuropa treffen
ihre deutschen Kollegen
Wir werden acht osteuropäische Übersetzer
zu Gast haben und möchten die Gelegenheit zu einem
Gedanken- und Textaustausch nutzen. Dazu wünschen
wir uns lesewillige Tagungsteilnehmer(innen), die uns
ihre Übersetzungen vorstellen - gern aus einer
"kleinen" Sprache wie Litauisch, Serbisch,
Tschechisch, Ukrainisch, aber natürlich auch aus
dem Russischen.
III. Wintergarten zweiter Stock: Lyrikecke
Eine Plattform für die Poesie-Afficionados unter
uns. Jeder, der Lyrik übersetzt (oder selber Gedichte
schreibt), ist herzlich eingeladen, hier zu lesen!
IV. Wintergarten erster Stock: Open Mike „Jetzt
wird’s spannend“
Das Schöne an „Open Mike“-Veranstaltungen
ist: Man weiß nie so genau, was kommt. Es gibt
nur eine Vorgabe: Spannend muss es sein! Also, wer zum
Beispiel gerade an einem Thriller laboriert oder einer
Detektivgeschichte ins Deutsche verhilft – der
melde sich bei uns oder trete am Freitag spontan auf
die Bühne!
Über möglichst baldige, zahlreiche Anmeldungen
freuen sich:
Karen Nölle-Fischer knoefi@karen-noelle.de
Heike Steffen heike.steffen@arcor.de
Axel
Henrici henrici@macnews.de
Bitte schickt Eure Textvorschläge - eine Kurzbeschreibung
und die konkrete Textpassage (im Gegenwert von nicht
länger als 15 Minuten) - jeweils an alle drei obengenannten
E-Mail-Adressen.
|
| |
Mittagspause |
| 14:00 |
Gymnastik mit Margarete Längsfeld
Ort: Theaterdach in der Schünemannschen Mühle |
| 14:00 |
Führung durch die Herzog-August-BibliothekTreffpunkt:
vor dem Bibliothekseingang
Anmeldung erforderlich! |
| 20:00 |
Gemeinsames Abendessen |
| 21:00 |
Verleihung des Helmut M. Braem-Preises |
| anschließend: |
Party
Ort: KuBa-Halle |
Sonntag, 17. September
|
| 10:00 |
In einem anderen Land, in einer anderen
Sprache
Drei Schriftsteller / Übersetzer sprechen über
den Wechsel von Land und Sprache
Mit Michael Hofmann (Deutschland - England), Jan
Faktor (CSSR – Deutschland) und Artur Becker
(Polen – Deutschland)
Gesprächsleitung: H.C. Oeser (Deutschland
– Irland)
Ort: Kommisse |
| 13:00 |
Gemeinsames Mittagessen
Ort: Karstadt Restaurant |
| |
Ende der Tagung
|
Vorstellung der WORKSHOPS
A-1 Französisch: Textarbeit
mit Ingrid Altrichter
Ein Workshop wie anno dazumal: ein kurzer Text, mit dem
sich alle möglichst schon vorher vertraut machen sollten,
eine hoffentlich lebhafte Diskussion über denkbare Lösungsvarianten
und noch ein bisschen Zeit für knifflige Stellen aus
der aktuellen Arbeit der Teilnehmer! So wünsche ich mir
unseren Workshop; Anregungen und vorab geschickte "Probleme"
sind herzlich willkommen. Bitte an: Ingrid.Altrichter@t-online.de
Für maximal 20 Übersetzende aus dem Französischen.
Ingrid Altrichter übersetzt seit mehr als 30
Jahren querbeet aus dem Englischen und Französischen.
A-2 Creamhilled und das Nordische
Erbe mit Karl-Ludwig Wetzig
Neben den allfälligen offenen oder verdeckten Bibelzitaten
schöpft Literatur aus dem Norden oder solche, die sich
mit ihm beschäftigt (Seamus Heaney, Weinberger, et al),
Anspielungen und Zitate häufig aus einer ganz eigenen,
genuin nordischen Tradition, die bei uns nach den unseligen
Zeiten der Nordlandverherrlichung weitgehend ins Vergessen
abgedrängt wurde. Edda, Saga, Skaldendichtung, vorchristliche
germanische Mythologie liefern erste Stichworte. Wie viel
Wissen in dieser Richtung setzen wir beim Leser voraus, wie
viel muten wir ihm zu, über welche Brücken und Ausweichstrecken
führen wir ihn ansonsten dennoch zum Textverständnis?
Das sind Fragen, mit denen wir uns in der Arbeitsgruppe beschäftigen
sollten. Interessierte bitte ich, mir bis zum 1. August
reichlich einschlägige Problemfälle aus der eigenen
Praxis zu schicken. Für Nicht-Skandinavisten und -Altgermanisten,
die sich mit derartigem herumärgern müssen, könnte
ich bei Bedarf eine einleitende Führung zu den Quellen
von Mímirs Brunnen versuchen.
Anregungen, Fragen und Beispiele bitte an: Karl-Ludwig Wetzig,
Schulberg 5, 23717 Kasseedorf oder
k-l.wetzig@gmx.de
Lutz Wetzig übersetzt seit 1997 Literatur aus
den nordischen Sprachen.
A-3 “Im Anfang war das Wort”
- Zur Problematik von Romananfängen mit Hans-Christian
Oeser
Ein Workshop in umgekehrter Arbeitsrichtung, wie er schon
2001 angeboten wurde. Anhand kurzer Textbeispiele aus der
deutschsprachigen Literatur soll das Gespür für
sprachliche Besonderheiten geschärft und der stets vorhandenen
Neigung zur stilistischen Glättung entgegengearbeitet
werden. Die Texte werden den Teilnehmern vorab zugeschickt.
Für maximal 25 Übersetzende aus allen Sprachen.
Hans-Christian Oeser, von Haus aus Germanist, lebt
in Irland und übersetzt seit 20 Jahren aus dem Englischen;
ein Schwerpunkt seiner Übersetzertätigkeit ist die
irische Gegenwartsliteratur.
A-4 Lebensbeschreibungen –
Lebendiges Ü/übersetzen mit Petra Willim
Gehören Biographien eigentlich einer eigenen Textsorte
an? Und geht das Übertragen von Lebensbeschreibungen
überhaupt mit spezifischen »gattungstypischen«
Schwierigkeiten einher?
Es gibt gute Gründe, dies zu bestreiten und die Biographie
schlicht der Kategorie Sachbuch zuzuweisen. Andererseits:
Handelt es sich nicht auch um eine Art von Narration, um die
konstruierte Erzählung eines herausragenden Lebens, dessen
Einzigartigkeit mit Hilfe von literarischen Mitteln kreiert
wird?
Demnach ließe sich die Biographie als eine Zwittergestalt
auffassen, die Anteile am Sachlichen wie am Literarischen
hat. Für die Übersetzung heißt dies: Dort
muß sie sachliche Richtigkeit gewährleisten, hier
die Lebendigkeit der Erzählung in die eigene Sprache
retten.
Ich möchte zu Beginn des Workshops einen kurzen Vortrag
über diese schillernde Gattung Biographie halten und
an unterschiedlichen historischen Beispielen ihre Zwitterhaftigkeit
beleuchten. Im Anschluß daran möchte ich gemeinsam
mit den TeilnehmerInnen spezifische Probleme, die diese Textsorte
beim Übersetzen aufwirft, diskutieren. Hierfür wäre
es hilfreich, wenn Sie Beispiele und Anregungen aus Ihrer
eigenen Arbeit mitbringen könnten.
Petra Willim, geb. 1957, ist promovierte Literaturwissenschaftlerin.
Zu ihren Übersetzungen gehören biographische Werke
über Marguerite Duras, Raymond Klibansky und Jean-Paul
Sartre. Außerdem unterrichtet sie Deutsch und Spanisch
in den Jahrgangsstufen 11 bis 13.
A-5 Werktreue ade! Trivialliteratur
übersetzen mit Andrea Kamphuis
„Charles öffnete den Reißverschluss seiner
hautengen schwarzen Jeans und zog Camilla leidenschaftlich
an sich.“ Moment mal: War die Hose nicht eben noch blau?
Hat er sie nicht schon auf der letzten Seite geöffnet?
Und wie viele Hände hat der Kerl eigentlich, dass er
gleichzeitig den Wagen lenken, ihr Haar zerwühlen, die
Sektflasche entkorken und mit den Knöpfen ihres Blümchenkleides
kämpfen kann? Kam der schwüle Westwind nicht gerade
noch von Osten? Heißt Sir Lucas nicht eigentlich Henry?
Mit Continuity-Pannen muss man beim Übersetzen von Trivialromanen
ebenso rechnen und aufräumen wie mit Unsicherheiten vieler
amerikanischer Autorinnen in europäischer Geschichte
oder mit unfreiwillig komischen Sexszenen. Werktreue ade –
Mut zum Klischee: Der Text muss fließen, schnurren,
kribbeln.
Anhand kurzer Texte werden wir typische Probleme (Kürzungen,
Wortwahl in erotischen Szenen, kultur- oder epochenspezifisches
Vokabular) bearbeiten, bei Bedarf auch über die Arbeitsbedingungen
sprechen. Kurze Beispiele aus der eigenen Arbeit sind sehr
willkommen - bitte mit etwas Kontext/Background bis spätestens
15. 8. an info@ak-text.de
schicken.
Für maximal 30 Übersetzer/innen aus allen Sprachen.
Andrea Kamphuis übersetzt, schreibt und lektoriert
seit 1985 neben-, seit 1999 hauptberuflich (siehe www.ak-text.de).
Neben naturwissenschaftlichen und historischen Sachtexten
übersetzt sie gelegentlich Trivialliteratur.
A-6 As American as apple pie /As
English as tea and crumpets: Zum Transfer von Alltagskultur
mit Rudolf Hermstein
Flapper oder Backfisch, feet oder Meter, cop oder Bulle?
Formica oder Resopal? Was ist ein sticky bun, was ist lemon
curd? Wissen deutsche Leser, was Woodbines sind oder wer Betty
Boop war? Was ist, in den USA, ein(e) county, ein beat, ein
beat supervisor? Was tun, wenn corporate wives ihre Spiegeleier
nur sunny side up und nicht easy over mögen? Immer wieder
müssen wir uns entscheiden: Eindeutschen, stehen lassen,
erklären?
Der Workshop soll dem Gedanken- und Erfahrungsaustausch dienen,
Patentlösungen werden nicht versprochen. Ratsuchende
sind ebenso willkommen wie Leute, die was wissen oder vielleicht
sogar nützliche Websites kennen. Eins sei aber schon
gesagt: Umrechnungsprobleme sind Schnee von gestern!
Für maximal 30 Übersetzende aus dem Englischen.
Rudolf Hermstein hat in Germersheim studiert und übersetzt
seit 1970 Belletristik und Sachbücher aus dem Englischen.
A-7 Zwischen allen Stühlen:
Außenlektoren - Anwälte der Übersetzer oder
Vasallen der Verlage? mit Miriam Mandelkow
Immer seltener werden Übersetzungsmanuskripte im Verlag
redigiert – aber wo landen sie? Bei anonymen Bearbeitern,
deren Identität vom Verlag nicht preisgegeben wird? Und
woher kommen sie? Von renitenten Übersetzern, die sich
von Freien ohnehin nichts sagen lassen? Das Außenlektorat
etabliert sich zusehends als Instanz zwischen Übersetzern
und Verlag. Welche Fäden hier tatsächlich zusammenlaufen,
welche Kompetenzen und Gestaltungsmöglichkeiten Außenlektoren
haben, was Übersetzer von ihnen fordern und was Verlage
von ihnen erwarten, wird in diesem Workshop zur Sprache kommen.
Mitzubringen sind eigene Erfahrungen sowie Ideen zu neuen
Formen der Zusammenarbeit.
Für max. 30 Außenlektoren, Übersetzer, lektorierende
Übersetzer und delegierende Verlagslektoren.
Miriam Mandelkow redigiert seit zehn Jahren Übersetzungen
und übersetzt seit sechs Jahren aus dem Englischen.
A-8 Der einfache Weg zur eigenen Website
mit Thomas Merk
Eine überzeugender Internetauftritt gehört inzwischen
nicht nur für Verlage und Autoren zum guten Ton, auch
für uns Übersetzerinnen und Übersetzer wird
er als ein wirkungsvolles - und relativ preisgünstiges
-Mittel zur Selbstpräsentation und "Kundenbindung"
immer wichtiger. Zum Glück macht es uns heute eine ganze
Reihe von kostengünstigen und benutzerfreundlichen Programmen
leicht, auch ohne das Erlernen einer Programmiersprache im
weltweiten Netz auf überzeugende Weise präsent zu
sein. In diesem Workshop werden einfache Wege vorgestellt,
um zur eigenen Internetpräsenz zu gelangen, und Tipps
für deren Gestaltung gegeben.
Für PC und Mac, eigener Laptop kann mitgebracht werden,
ist aber nicht zwingend nötig.
Für maximal 15 Teilnehmer/innen.
Thomas Merk übersetzt seit 1991 aus dem Englischen
und gestaltet seit einigen Jahren nebenbei auch Webseiten
für Firmen, Musikgruppen und Privatleute.
*******************************************
B-1 Polnisch: Was hat der
Esel mit der Leiter zu tun – Phraseologismen in der
Übersetzung mit Dorota Stroinska
Phraseologismen sind Sprachbilder, die das Wesen komplizierter
Erscheinungen in kurzer und prägnanter Form wiedergeben.
In solchen literarischen Kleinstformen spiegeln sich Kultur,
gesellschaftliche Normen, Weisheit und Mentalität einer
Sprachgemeinschaft, d.h. materielle und ideelle Bereiche der
Wirklichkeit, die wegen ihrer nationalen Gebundenheit oft
schwer zu übersetzen sind. Was ist das Besondere an den
deutschen und polnischen Phraseologismen? Führt das gemeinsame
kulturelle Erbe nicht auch zu Mißverständnissen?
Verleitet die große Ähnlichkeit der formalen Seite
der polnischen und deutschen Phraseologismen nicht zu Interpretations-
und Übersetzungsfehlern, die den Sinn eines Werkes oder
einer Passage entstellen können? In einer vergleichenden
Betrachtung von Beispielen aus der übersetzten Literatur
wollen wir die deutsch-polnischen Wölfe im Schafspelz
aufspüren und das schöpferische Potential von Phraseologismen
und ihre Übersetzbarkeit untersuchen.
Workshop für Übersetzer hauptsächlich aus
dem Polnischen, aber auch aus anderen slawischen Sprachen.
Beispiele aus der eigenen Praxis sind willkommen.
Dorota Stroinska ist Germanistin und Slawistin. Vor
20 Jahren packte sie die Koffer und ging ins Freie Berlin.
Sie übersetzt seit 1994 Literatur und Philosophie. Auch
wenn die Übersetzungsarbeit nicht die einzige Hochzeit
ist, auf der sie tanzt.
B-2 Im Sektionssaal –
Ein Rechtsmediziner erzählt mit Frank Glenewinkel
Nicht erst seit "Quincy" gehören Rechtsmediziner
zum Standardinventar zahlreicher Kriminalromane und –filme.
Je nach Bedarf der AutorInnen treten sie mal als skurrile
Figuren mit Hang zum Makabren, mal als sachliche Analytiker
ohne Emotionen auf. Wie sieht der Alltag der Rechtsmediziner
wirklich aus? Was machen sie eigentlich, wenn sie nicht gerade
obduzieren oder Leichenfundorte inspizieren? Wie läuft
eine gerichtliche Sektion ab? Was muss bei der Erstellung
eines rechtsmedizinischen Gutachtens beachtet werden? Und
vor allem im deutschen Sprachraum relevant: Warum sollten
Rechtsmediziner nicht mit Pathologen verwechselt werden? Der
Workshop soll neben einer Einführung in die rechtsmedizinische
Praxis (mit Bildmaterial) die Gelegenheit geben, diese sowie
die hoffentlich zahlreichen weiteren Fragen der TeilnehmerInnen
zu diskutieren.
Dr. Frank Glenewinkel, Jahrgang 1967, ist als Arzt
für Rechtsmedizin am Institut für Rechtsmedizin
der Universität zu Köln tätig.
B-3 Klassiker neu übersetzen:
Eine exakte Kunst mit Elisabeth Edl
Warum veralten Übersetzungen? Oder tun sie das gar nicht,
sondern waren von Anfang an ihrem Gegenstand bloß inadäquat?
Ist die gern zitierte "Staubschicht" also nichts
weiter als Unzulänglichkeit? Hat sich womöglich
auch die Idee des Übersetzens verändert, d.h.: Gehen
wir heute mit anderen Absichten und Prinzipien an die Arbeit
heran? Und vor allem mit welchen Prinzipien und mit welchem
Deutsch? Diese und andere Fragen werden anhand bekannter Romane
der französischen Literatur (Stendhal, Flaubert, Proust)
und ihrer verschiedenen Übersetzungen behandelt, wobei
der Schwerpunkt auf dem Vergleich deutscher Übersetzungen
liegen soll. (Textbeispiele werden rechtzeitig versandt.)
Französischkenntnisse sind wünschenswert, aber nicht
Voraussetzung. Für ca. 25 Teilnehmer.
Elisabeth Edl übersetzt seit 1989 aus dem Französischen,
u.a. Simone Weil, Julien Green, Patrick Modiano, Julien Gracq,
Philippe Jaccottet, Jules Verne, Stendhal.
B-4 Bilderwelten mit Thomas
Brovot
Bilder, Vergleiche, Metaphern: in der Literatur ein beliebtes
Stilmittel, für Übersetzer eine schöne Herausforderung.
Zum übersetzerischen Repertoire gehört aber auch
die Klage über schiefe Bilder und ähnliche Malheurs.
Doch was ist da schief gegangen? Wie funktioniert Bildersprache
überhaupt? Wann ist eine Metapher originell, wann bloß
ein Klischee? Wann hinkt der Vergleich, wann ist ein Bild
stimmig? Wird Bildlichkeit woanders vielleicht anders empfunden?
All dem wollen wir anhand praktischer Beispiele nachgehen.
Workshop für Übersetzer aus romanischen und gerne
auch anderen Sprachen. Beispiele aus der eigenen Praxis sind
erwünscht.
Thomas Brovot übersetzt seit 1989 Literatur aus
dem Spanischen und hat es dabei oft wie im Bilderbuch.
B-5 Kultur als Übersetzung
- Die kulturwissenschaftliche Wende der Übersetzungsforschung
mit Annette Kopetzki
Gewiss würden die meisten Übersetzer ihre Tätigkeit
als „kulturelle Praxis“ bezeichnen, die das gegenseitige
Verständnis von Kulturen prägt. Doch im Alltag des
Übersetzens bleibt meist nur wenig Zeit, diese Selbstwahrnehmung
theoretisch zu vertiefen. Wer die Entwicklung verfolgt, die
die theoretische Erforschung unserer Tätigkeit nimmt,
kann die erstaunliche Entdeckung machen, daß „Übersetzung“
zum Zentralbegriff für die kulturwissenschaftliche Erweiterung
nicht nur der philologischen Fächer geworden ist. Von
der „Kulturgeschichte als Übersetzung“ und
der „Übersetzung von Kulturen als Texte“
ist es nur ein kleiner Schritt zur „Kultur als Übersetzung“.
Um diese parallelen Tendenzen zur Ausweitung des Text-, des
Übersetzungs- und des Kulturbegriffs, aber auch um die
Probleme, die ein möglicherweise überdehnter Übersetzungsbegriff
birgt, soll es in dem Workshop gehen. Gemeinsam werden wir
versuchen, unsere eigene Praxis zu diesen Theorieangeboten
in Beziehung zu setzen.
Die Teilnehmer erhalten vorab einige Texte, auf deren Grundlage
wir Fragen an die Theorie sammeln. Es wird zwei Überblicke
über ältere und neuere Ansätze in der Übersetzungsforschung
geben (Translation Studies, Göttinger Beiträge zur
internationalen Übersetzungsforschung, Translation Theories
Explored bei St. Jerome, Beiträge von Autoren wie Douglas
Robin, Lawrence Venuti, Susan Bassnett, Boris Buden und anderen).
Und: Nur keine Scheu vor der Theorie – sie ist oft spannender
als man denkt!
Ein Workshop für maximal 25 Teilnehmer.
Annette Kopetzki begann 1989 in Italien mit dem Übersetzen,
ließ sich von der Übersetzungstheorie nach Deutschland
zurücklocken, wurde dann von der Praxis manchmal eines
Besseres belehrt, findet aber beides weiterhin spannend.
B-6 Dialoge übersetzen mit
Kathrin Blum
Der Dialog ist stets Bestandteil des szenischen Geschehens.
Er ist keine Wiedergabe der realen Rede, sondern die Kunstform
der wörtlichen Rede, eine erfundene Sprache des verbalen
Austauschs, der sich in Tempo oder Inhalt auf einen Höhepunkt
zubewegt. Soweit zur Theorie. Doch wie sieht die Praxis aus?
Viele Unterhaltungsromane leben vom Wortwitz der Dialoge.
Doch gerade der ist gar nicht so einfach zu übersetzen.
Wie übersetzt man Dialoge ins Deutsche ohne dass der
Charme dieser Bücher verloren geht? Wie gestaltet man
Dialoge lebendig? Wie strukturiert man sie?
Diesen Fragen wollen wir anhand von Textbeispielen gemeinsam
nachgehen. Aussagekräftige Textstellen bitte spätestens
bis zum 15. August an Kathrin Blum (kathrin.blum@rowohlt.de)
schicken.
Ein Workshop für maximal 25 Teilnehmer, vornehmlich
aus dem Englischen.
Kathrin Blum ist Lektorin des Rowohlt Taschenbuch
Verlages und beschäftigt sich vorrangig mit Unterhaltungsliteratur.
B-7 Lesen lernen! mit Matthias
Freihof
Wie macht man eine Lesung zu einem Erlebnis? Anhand eigener
Übersetzungen der Teilnehmer/innen wird individuell geübt,
wie ein Text plastisch vorgetragen werden kann, so daß
Lesende wie Zuhörer Freude an der Sache haben.
Bitte ein, zwei Seiten eines geeigneten Textes mitbringen
(und vorbereiten).
Ein Workshop für maximal 12 Teilnehmer/innen.
Matthias Freihof studierte an der Berliner Hochschule
für Schauspielkunst „Ernst Busch“, dort seit
1990 Lehrtätigkeit als externer Dozent. Zahlreiche Rollen
in Film und Fernsehen, u.a. in „Siska“, „Coming
Out“ und dem Zweiteiler „Todesspiel“.
B-8 Aufträge realistisch planen
mit Irene Rumler
Wenn ich geahnt hätte, wie viel Arbeit da auf mich zukommt,
hätte ich ...
Diesen Seufzer kennen wir alle. Auch wenn er berechtigt sein
mag – professionell ist er nicht, denn Aufträge
lassen sich mit geringem Aufwand so planen, dass uns böse
Überraschungen erspart bleiben. Wenn wir, statt uns auf
knappe Termine und unbezahlte Zusatzleistungen einzulassen,
Arbeitsumfang und Zeitaufwand im Vorfeld realistisch kalkulieren,
gewinnen wir selbst Klarheit und damit die nötige Sicherheit,
um professionell aufzutreten und erfolgreich zu verhandeln.
Wie das geht, probieren wir gemeinsam an Beispielen aus.
Bitte Taschenrechner und ein beliebiges Buch in der Ausgangssprache
mitbringen.
Ein Workshop für maximal 25 Teilnehmer.
Irene Rumler übersetzt und lektoriert seit vielen
Jahren, sie unterrichtet im Aufbaustudiengang Literarisches
Übersetzen an der Uni München und macht seit 7 Jahren
Aus- und Fortbildungsseminare für Lektoren.
*******************************************
Ein Gestikon entsteht
Was Übersetzer brauchen, wissen Übersetzer am
besten … Hier soll es wieder einmal darum gehen, ein
anspruchsvolles, modernes Hilfsmittel für literarische
Übersetzer in Eigeninitiative zu entwickeln.
Die Idee eines »Gestikons«*, sprich: einer multilingualen
Datenbank für den verbalisierten gestischen Ausdruck,
reift zum Projekt, das am Europäischen Übersetzerkollegium
in Straelen seine vorläufige Heimat finden soll.
Ein »Gestikon« könnte abbilden, wie der
Kosmos nonverbaler Expressivität des Menschen (Mimik,
Gestik, Körperausdruck im weitesten Sinne) in Sprache
„übersetzt“ wird – nämlich in
verschiedenen Sprachen höchst unterschiedlich, was Übersetzern
ein vielfältig wiederkehrendes Problem beschert.
Gedacht ist an eine sinnvolle Kombination enzyklopädischer
Überschau mit bilingualen Glossaren für den konkreten
Bedarfsfall. All dies auf Computerbasis, work in progress
nach dem „Wiki“-Prinzip.
An diesem Nachmittag wollen wir uns über Sinn und Zwecke
eines »Gestikons«: Aufbauprinzipien, wünschenswerte
Funktionen, handhabbare Strukturen usw. verständigen
und dabei möglichst schon die technische Machbarkeit
reflektieren; Erfahrungen mit existierenden Online-Projekten
von LEO bis MULTITRAN wie auch mit CD-ROM-Wörterbüchern
wären nützlich, wenngleich nicht unentbehrlich für
die Diskussion.
Schönster Nebeneffekt der Werkstatt wäre, ein
Häuflein „versierter Dilettanten“: Wörtersammler,
Wörterbuchfans, Hobbyprogrammierer usw. zum Mitdenken
und -arbeiten auf längere Sicht zu animieren.
Kontakt vorab bei Interesse an dieser Werkstatt und generell
am Projekt:
Andreas Tretner a.tretner@t-online.de
* Arbeitstitel, noch dazu geklaut!
WISSENSWERTES
Anmeldung
Bitte melden Sie sich – wenn möglich per E-Mail
– bei Claudia Steinitz an: claudia.steinitz@bluewin.ch
Natürlich besteht auch die Möglichkeit, sich per
Fax (0041-44-450 19 12) oder postalisch anzumelden. Zu diesem
Zweck schicken Sie bitte das ausgefüllte Anmeldeformular
an Claudia Steinitz, Im Tiergarten 40, 8055 Zürich, Schweiz.
Bitte tragen Sie bei der Anmeldung unbedingt die Nummern der
Workshops ein, an denen Sie teilnehmen möchten (für
den Vormittag zwei Präferenzen aus A1-8, für den
Nachmittag zwei Präferenzen aus B1-8 bzw. Gestikon).
Die Workshopleiter informieren Sie rechtzeitig vor Tagungsbeginn,
an welchem Workshop Sie teilnehmen.
Rückfragen können aus Urlaubsgründen zwischen
1. und 15. Juli 2006 leider nicht beantwortet werden.
Anmeldeschluß ist der 20. Juli 2006.
Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, können wir auch bei
Anmeldungen, die vor dem Anmeldeschluß eingehen, die
Teilnahme nicht garantieren.
Tagungsgebühr
Der Preis für die Teilnahme am Tagungsprogramm inklusive
2 x Abendessen und 1 x Mittagessen (siehe Programm) beträgt
für Mitglieder und Kandidaten von Bundessparte Übersetzer,
VdÜ, VS, ver.di
oder Österreichischer Übersetzergemeinschaft 50
€ und für Nichtmitglieder 100 € .
Stornogebühren
Ab dem 15. August 2006 wird eine Stornogebühr von 50%,
ab dem 30. August 2006 von 100% des Teilnehmerbeitrages erhoben,
sofern die Plätze nicht anderweitig vergeben werden können.
Unterkünfte - Hotelreservierung
Die Hotelreservierung erfolgt individuell durch die Teilnehmer
nach Erhalt der Teilnahmebestätigung.
Für die Unterbringung haben wir in einer Reihe von Hotels
kostengünstige Kontingente reserviert, die Sie unter
dem Stichwort VdÜ buchen können. Die Liste finden
Sie im Anhang der Anmeldung, die Sie als Word- oder PDF-Datei
herunterladen können (siehe Kopf der Seite).
Bitte geben Sie bei der Reservierung das Kennwort „VdÜ“
an.
Anreise
Per Bahn: über Braunschweig nach Wolfenbüttel
Per Auto: Vom Norden, Westen und Osten über BAB
A 2/A 391 (Kreuz Braunschweig-Nord), A 391/A 39 (Dreieck Braunschweig-Südwest),
A 39/A 395 (Kreuz Braunschweig-Süd) und A 395.
Vom Süden und Westen über BAB A 7/A 39 (Dreieck
Salzgitter), A 39, Abfahrt 18 (Salzgitter-Watenstedt) in östliche
Richtung auf der Schnellstraße (L 495) nach Wolfenbüttel.
Von Südosten über Bundesstraße B 79.
Empfang
Am Freitag, den 15. September, können Sie sich ab 13:00
Uhr in der Kommisse im Stadtzentrum von Wolfenbüttel,
Kommissstraße 5 anmelden. Am Samstag steht von 09:00
bis 13:00 das Stadtmarketingbüro am Stadtmarkt 7 für
Informationen bereit.
Bibliotheksführung
An der für den 16. September 14:00 vorgesehenen Führung
können maximal 30 Personen teilnehmen. Geben Sie Ihren
Teilnahmewunsch bitte bei der Anmeldung an.
|