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Häufige Fragen 1. Welche Rolle spielt die übersetzte Literatur auf dem Buchmarkt? Im Jahr 2007 kamen 6160 Übersetzungen auf den deutschsprachigen Buchmarkt, das sind knapp 10% aller Neuerscheinungen (Quelle: Buch und Buchhandel in Zahlen 2008). In der Belletristik waren etwa ein Fünftel aller Neuerscheinungen Übersetzungen. Bei den Jahresbestsellern liegt ihr Anteil generell deutlich höher: Von den 50 meistverkauften belletristischen Titeln 2008 waren laut buchreport über die Hälfte Übersetzungen. Fazit: Professionell angefertigte und gelieferte Übersetzungen sind also ein unentbehrlicher Beitrag zum Funktionieren der Verlagswirtschaft. 2. Wie viele Übersetzer gibt es? Wie viel übersetzen sie am Tag, im Jahr? Es gibt im deutschsprachigen Raum an die 2000 professionelle Literaturübersetzer; davon sind rund 1250 Mitglied im Übersetzerverband VdÜ. Der Zeitaufwand schwankt von Übersetzung zu Übersetzung erheblich. Die Spanne zwischen einfacher Unterhaltungsliteratur und anspruchsvollen Sachbüchern oder literarischen Texten ist so groß, dass sich ein Mittelwert für den einzelnen Übersetzer kaum sinnvoll angeben lässt. Hochgerechnet auf alle Übersetzer, kann man aber von einer Durchschnittsproduktion von etwa 100 Seiten pro Monat ausgehen, also 1000 Seiten im Jahr (Urlaubs- und Krankheitszeiten, Akquise und unbezahlte Arbeiten wie Fahnenkorrekturen eingerechnet). 3. Wie ist die Vergütung von Literaturübersetzungen strukturiert, und in welchem Rahmen bewegen sich die Honorare? Für die Anfertigung der Übersetzung erhalten Übersetzer ein Seitenhonorar. Die Spanne bewegt sich derzeit etwa zwischen zehn und zwanzig Euro pro Normseite. Über das Seitenhonorar hinaus sehen Übersetzerverträge in unterschiedlichem Maß eine Beteiligung am Verkaufserfolg sowie an Lizenzerlösen vor (z.B. wenn ein anderer Verlag die Taschenbuchrechte erwirbt, die Übersetzung für ein Hörbuch lizenziert wird etc.). Die Mehrzahl der marktüblichen Verträge gesteht eine solche Beteiligung erst ab hohen Schwellen zu, etwa nach dem Verkauf von 30.000-50.000 Exemplaren der Buchausgabe. Zudem ist es üblich, die Zählung für die Taschenbuchbeteiligung erneut bei null beginnen zu lassen. - Für den Verlag profitabel werden Übersetzungen in aller Regel schon bei deutlich niedrigeren Auflagen. Verlage bezahlen generell niedrigere Seitenhonorare, wenn sie eine Übersetzung nur als Taschenbuch vermarkten. Ebenso gelten bei Taschenbüchern niedrigere Beteiligungssätze - unabhängig vom Anspruch an die Übersetzung. Kurz, vom Übersetzer eines Taschenbuchs wird erwartet, dass er dieselbe Arbeit für weniger Geld tut. Unter diesen Umständen beläuft sich das durchschnittliche Bruttoeinkommen von Literaturübersetzern auf ca. 1000 Euro im Monat (Näheres auf S. 7 der Broschüre "Wer die Welt lesen will, muss sie verstehen"). 4. Ist Übersetzen wirklich eine kreative Arbeit? Ja, Übersetzer sind Interpreten, vergleichbar mit Schauspielern und ausführenden Musikern. Das Übersetzen von Literatur jeder Art erfordert neben der genauen Kenntnis der fremden Sprache und Kultur auch einen geübten und erfindungsreichen Umgang mit der eigenen Sprache, ein feines stilistisches Gehör, Formgefühl und Ausdruckssicherheit, und nicht zuletzt einen eigenen Zugang zur Literatur. Daher sind Literaturübersetzer Urheber, ihre Leistung fällt unter das Urheberrecht (§3 UrhG). 5. Wie wird man überhaupt Übersetzer? Der Berufsstand hat sich über die letzten Jahrzehnte merklich professionalisiert, wobei eine spezifische Ausbildung zum Literaturübersetzer die Ausnahme ist. (Es gibt ein Vollstudium in Düsseldorf und einen Aufbaustudiengang in München.) Die meisten Übersetzer haben ein literaturwissenschaftliches oder übersetzungsspezifisches Studium absolviert. Das Übersetzen von Literatur stellt hohe Anforderungen. Nur wer einen fremdsprachigen Text intellektuell begriffen und ästhetisch erfasst hat, kann ihn auch gut übersetzen, und gut heißt: präzise und persönlich. In den letzten vier Jahrzehnten haben vor allem die Übersetzer selbst viel für die Weiterbildung und die Schaffung dazu geeigneter Insitutionen getan - mit Hilfe staatlicher Förderung. Heute ergänzen zahlreiche spezialisierte Seminare und Workshops des Deutschen Übersetzerfonds, des VdÜ, des Europäischen Ubersetzer-Kollegiums und anderer Träger die Übersetzer-Ausbildung und erweitern den Horizont. 6. Warum ergreift ein hervorragend ausgebildeter Spezialist einen Beruf, von dem man doch weiß, dass er schlecht bezahlt wird? Zum einen gibt es auf dem Markt einen hohen Bedarf an qualifizierten Literaturübersetzungen (vgl. Punkt 1.) Professionelle Übersetzer werden gebraucht - wenn auch bisher nicht entsprechend entlohnt. Zum anderen tun die meisten Übersetzer ihre Arbeit gerne, ja mit Leidenschaft. Zudem sind viele von uns Optimisten. Wir glauben nicht an die Unverrückbarkeit der etablierten Verhältnisse im Literaturbetrieb, wo traditionell ein starkes Machtgefälle zwischen Verlagen und Übersetzern herrscht. Statt unseren Beruf aufzugeben, kämpfen wir lieber für angemessene Honorare. 7. An welchen Kriterien lässt sich eine angemessene Übersetzervergütung bemessen? Welche Ansätze gibt es dafür? Systematische Eckpunkte einer fairen Vergütungsregel sind u.a.: Durch die gesetzlich vorgesehene Verbesserung der Übersetzervergütung kommen auf die Verlage Mehrkosten zu. Zu ihrer Refinanzierung bietet die Logik des Buchmarkts zwei Ansätze. Der erste wäre eine Berücksichtigung angemessener Übersetzerhonorare in den Lizenzverträgen, die die Verlage mit ausländischen Autoren abschließen. Sie würden damit der Tatsache Rechnung tragen, dass neben dem Autor ein Zweiturheber eine Leistung erbringt und so den Erfolg seines Buchs im Ausland ermöglicht. Aus demselben Grund hätte man Anlass, Übersetzungen zu einem moderat erhöhten Preis zu verkaufen (siehe Burkhart Kroebers Beitrag zum "Übersetzer-Euro" auf S. 10 der VdÜ-Broschüre. In diesem Zusammenhang ist zu begrüßen, dass sich die Verlage neuerdings an überkommene Preisschwellen heranwagen. |