Jede Übersetzung lässt sich als Eingriff in ein fremdes Werk verstehen. Aber wie weit wollen und können wir dabei gehen? „… die Schönheit weiblicher Dummheit verkennen …“ – soll man dergleichen Formulierungen (Walter Benjamin in einem Essay über Karl Kraus) heute noch übernehmen? Ist es legitim, einen russischen satirisch-grotesken Autor zum deutschen Expressionisten zu machen?

Der Shakespeare-Übersetzer Frank Günther plädiert in seinem Vortrag „Wenn der Übersetzer zum Autor werden muss“ für eine – außer bei Witz, Wortspiel & Co. – textnahe Übersetzung, er betrachtet aber auch „zeitgeistkompatible“ Abweichungen von dieser Linie. Der Anglist Anatol Stefanowitsch nimmt in seinem Beitrag „Politisch korrekte Literatur“ eine sprach-ethische Perspektive ein, er vertritt ein diskriminierungssensibles Schreiben und begründet die Legitimität eines „anpassenden“ Umgangs mit fremden Texten – ob qua redaktionellem Eingriff oder Übersetzung.

Der Eintritt ist frei, 12 Euro Unkostenbeteiligung für einen Mittagsimbiss und Getränke sind vorgesehen. Anmeldung erbeten per Mail an Enable JavaScript to view protected content. oder Fax 030-81699619.

Termin: 5.9.2019, 10-18 Uhr
Ort: Literarisches Colloquium Berlin, Am Sandwerder 5, 14109 Berlin